Susan Abbes Bericht am 24.IX., Seite 25, Zwischen Tradition und 'Blackfacing'
Am10.X.erschienen in 'Oberhessische Presse' mit anderer Überschrift sowie im 'Hinterländer Anzeiger', dort des Platzes wegen ~1/4 kürzer.
Susan Abbes Bericht am 24.IX.,... Zwischen Tradition und 'Blackfacing'
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Verdächtigende Schwarzmalerei antirassistisch?
Über den Birrekopper Grenzgang an sich berichteten die Regionalzeitungen breit & sachgerecht. Gut! Anderswo hingegen ritten Presse & Rundfunk mehrfach gegen den grenzgangführenden Mohren als journalistisches Steckenpferd.
Jedoch scheint Kern dieses Volksfestes zu sein bürgerliche Selbstgewißheit im Nachgang herrschaftlichen Handelns.
Wer dessen Mohren nicht mag, möge demütig schweigen statt Andere "antirassistisch" tadeln. Oder dem fremdländischen Einwand 'blackfacing' begegnen mit dem Vorschlag, einen wahren solchen einzusetzen!
Diese Figur erkennt Andersartiges an und wertet es auf; also das Gegenteil rassistischen Abwertens. Durchaus in Verschiedenheit und geschichtlichem Wandel. Vermutlich entstanden als Weiterentwickelung des geländekundigen Köhlers, zu dessen Beruf Schwärze gehört. Vielleicht weltläufige Übernahme des mohrigen Tambourmajors europäischer Fürstenhöfe des 18.Jahrhunderts. Jedoch mit neuer Sinngebung.
Angenommen, es gelänge, diese angesehene Führungsgestalt ihres Amtes zu entwürdigen: Entstünde Eintracht?
Oder Schnaufpause für weitere Rügen?
Ihn künftig zum weißen Major wandeln? Obacht, darüber könnten sich Anti-Militaristen empören!
Obendrein könnten Gegner 'kultureller Aneignung' sowie Anti-Imperialisten ihn ebenso verwerfen wie den Mohren. Beide entstammen der Sprache eines kriegerischen & versklavenden Reiches, der Promotionssprache eines solchen 1727 in Halle: de iure maurorum in europa. Eine gleichheitsgerichtete Darlegung, wie es heißt.
Und Klassenkämpfer könnten den Grenzgang selber verdammen, weil sein Vorläufer feudale Amtsgewalt ist.
Siehe, oberflächliche Ideologiekritik schafft sich ihren Gegenstand nach ihrem Bilde.
Dem entspricht, daß 'Kämpfer gegen Rechts' ungeniert den fremdenfeindlichen Vorwurf Vandalismus verwenden. Jedenfalls, wenn Jemand gegen ihre Erzeugnisse vorgeht, freilich nicht gegen den stadtbildlichen Linksextremismus.
Den Vorwurf 'vandalisme' entwickelten französische Geister im 18.Jahrhundert, weil der 455 in Rom eingelassene Stamm Vandalen übler gehaust haben soll als üblich. Der Zeit gemäßer jedoch wäre gewesen 'francisme', denn im französisch-pfälzischen Erbfolgekrieg 1689-93 befahl 'le roi soleil': Brûlez le palatinat! Wenn er schon die Kurpfalz sich nicht einverleiben konnte, so sollte sie im Reich verbleibend wenigstens verwüstet sein.
Ulrich J. Heinz






