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Ich erlaube mir, einige Fragen des christlichen Glaubens vorzustellen,

die vielleicht im Lauf der letzten Jahre vergessen worden sind.

Wenn Sie mögen, antworten Sie mir.

  1. Kein Getaufter kann aus der Kirche austreten, man kann nur aus der Steuergemeinschaft austreten. Wer einmal getauft wurde, ist und bleibt bis zu seinem Lebensende Glied am geheimnisvollen Leib Christi. Das gilt auch für evangelische und orthodoxe Christen, wenn ihre Taufe gültig war. Der Begriff des geheimnisvollen Leibes Christi ist zwar eben „geheimnisvoll“ und wurde in den letzten Jahrzehnten wohl immer weniger gebraucht, aber er geht auf Paulus zurück. Wer Christ sein will, kann sich eigentlich nicht von diesem Begriff trennen.
  2. Man kann nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz „aus der Kirche austreten“, weil es nur in diesen Ländern Kirchensteuer gibt. In keinem anderen Land der Welt kann man „aus der Kirche austreten“, man bleibt einfach weg.
  3. Wer sein Kind taufen lässt, muss sich darüber im Klaren sein, dass Taufe nicht nur ein frommer Ritus, ein „Segen“ ist, sondern eine Eingliederung in den geheimnisvollen Leib Christi. Die Eltern übernehmen damit die Pflicht, das Kind in den Glauben einzuführen. Sie können und dürfen das nicht dem Pfarrer, der Gemeinde, dem Katecheten überlassen. Bevor heute jemand sein Kind taufen lässt, muss er oder sie es sich sehr gut überlegen. Verantwortlich für diese Einführung in den Glauben sind die Eltern, wenn sie ihr Kind taufen ließen.
  4. Macht in der Kirche: Natürlich haben Bischöfe und Pfarrer auch „Macht“. Das kann sie auch verführen, diese „Macht“ falsch zu gebrauchen, da sie ja sündige Menschen sind. Aber genau genommen haben sie von Christus her eine Beauftragung. Diese nennt man „Vollmacht“ und damit haben sie Verantwortung. Wehe ihnen, wenn sie ihre Vollmacht falsch gebrauchen! Aber es ist eine Irreführung, wenn wir in der Kirche nur den politischen Begriff von „Macht“ gebrauchen.
  5. Viele Christen denken heute in der Kategorie von „Rechten“. Sie gehen davon aus, dass alle Christen gewisse Rechte haben – Rechte auch auf Teilhabe an Verantwortung. Das ist problematisch. Im wahren Grunde sind alle Funktionen in der Kirche Geschenke. Z.B. hat kein Mann ein Recht darauf, Priester zu werden. Er kann dem Bischof sagen, dass er sich zum Priestertum berufen fühlt. Aber der Bischof muss dem zustimmen, muss ihn berufen. Keiner der Apostel hat sich bei Jesus beworben. Alle wurden von Jesus berufen.
  6. Wir tragen allzu leicht Vorstellungen aus dem bürgerlichen Bereich in die Kirche ein, was aber inadäquat ist. Natürlich sind daran auch falsches Machtgehabe von Priestern und Bischöfen schuld.
  7. Für viel wunderbares Engagement von ehrenamtlichen Laien müssen wir dankbarer sein. Vieles in der Kirche geht nur, weil Menschen aufgrund ihres Glaubens sich außerordentlich einsetzen.
  8. In Deutschland, Österreich und in der Schweiz besteht die Gefahr, dass wir aufgrund der Kirchensteuer und der vergleichsweise guten finanziellen Ausstattung in falsche Denkmuster geraten. In unserem Nachbarland Frankreich, in dem die Uhren bezüglich Säkularisierung ähnlich gehen, muss vieles ohne finanzielles Polster laufen – und es läuft.
  9. Der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester ist entsetzlich. Aber die Kirchenkrise hat längst vorher dem Bekanntwerden des Missbrauchs begonnen. Es ist den für die Glaubensverkündigung Verantwortlichen nicht gelungen, den Glauben an Gott den Schöpfer, an Jesus Christus als Erlöser und den Heiligen Geist als Inspirator der Kirche vorzustellen, sodass er überzeugt und mitreißt.
  10. Da immer noch ein paar Hunderttausende sonntags aus freien Stücken die Messe besuchen, sollten wir mit diesen Menschen, die Eucharistie so feiern und den Glauben so verkündigen, dass sie am Ende der Messe denken: „Gut, dass ich gekommen bin. Ich freue mich auf nächsten Sonntag.“


P. Eberhard Gemmingen SJ

Im Einsatz für Glaube und Gerechtigkeit

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Pater Eberhard v. Gemmingen SJ
Autor: Pater Eberhard v. Gemmingen SJ

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Kommentare  
# RE: KlarstellungenDieter Heußner 2023-02-23 11:31
Sie schreiben, dass "kein Getaufter aus der Kirche austreten kann, sondern nur aus der Steuergemeinschaft".

Der Begriff "Kirche" bedarf einer Klarstellung.

1. Obwohl Jesus keine Kirche gründete, gibt es den Begriff "Kirche Christi", Das ist die Gemeinschaft aller Menschen, die an die Dreifaltigkeit Gottes (Vater, Sohn, Heiliger Geist) und an das Opfer Jesu glauben. Mit der Taufe werden sie Mitglied am geistlichen Leib Christi, gehören zur Kirche Christi.

2. Es gibt die drei großen christlichen Abteilungen, die man als katholische Kirche, protestantische und orthodoxe Kirche bezeichnet. Bei diesen drei Abteilungen und auch den anderen kleineren christlichen Abteilungen handelt es sich um Institutionen, Organisationen, von denen die meisten die Form einer Körperschaft des öffentlichen Rechts haben.

3. Zwischen 1) und 2) klaffen riesige Schluchten, auch wenn die unter 2) genannten Institutionen behaupten, die wahre Kirche Christi zu sein.

In der Bibel ist festgehalten, dass es um einen Menschen, der vom Glauben (an Jesus Christus abfällt), siebenmal schlimmer bestellt ist als zuvor.

Bedeutet diese Textstelle nicht, dass man doch aus der unter 1) genannten wahren Kirche Christi austreten (aus ihr fallen) kann? Die Tatsache des Vollzugs der Taufe hat dann wohl keine Bedeutung mehr?
# Klarstellungen zur KircheHandwerksmeister Alois Sepp 2023-02-23 21:36
Ich persönlich bekenne mich zu einem "christlichen" Glauben. Bedeutet aber nicht, dass ich der Institution Kirche in den Hintern kriechen muss. Nach unserem christlichen Glauben bekennen wir uns zur Dreifaltigkeit Gottes. Wie das jeder mit seiner persönlichen Einstellung, UND, vor Allem mit der persönlich gemachten Erfahrung mit der Einrichtung Kirche handhabt, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Ich verurteile ganz besonders, wenn bestimmte Kirchenbesucher, die sich selbst für "Heilige" halten, außerhalb eines Gottesdienstes, außerhalb eines Gotteshauses, sich alles andere als "christlich" benehmen. (leider jahrelange und selbstgemachte, persönliche Erfahrungen)

Im Allgemeinen loben sich die Kirchen als sozial eingestellte Einrichtungen, leben intern in Saus und Braus, schnorren aber bei jeder kirchlichen Veranstaltung (Gottesdienst) per Sammelbüchse (genannt: Kollekte) Geld zusammen. Die Kirchen allgemein sollten ihr finanzielles Polster genauso wirtschaftlich denkend zusammenraffen müssen wie alle anderen Wirtschaftszweige. Es ist nicht mehr "Sozial" und zeitgemäß, dass den Kirchen durch Zwangsabgaben (Kirchensteuer und Kirchgeld) laufend zugeschoben wird. Gerade in der jetzigen Zeit, wo "echte Hilfesuchende" eine Bleibe benötigten, sollten die "Kirchen" mit ihren Besitztümern zu vorderst Front machen. Es kann nicht angehen, dass Menschen, wegen der Zwangsbelegung für Asylanten und Flüchtlinge ihre angestammten Wohnungen verlassen MÜSSEN.

Zugegeben, es gibt Kirchengemeinden, Pfarreien, Kirchen-Festangestellte usw. die sich in ihrem Bezirk mustergültig verhalten. Hätten die Pfarreien, die Kirchengemeinden nicht die vielen "Ehrenamtlichen" die sich selbstlos für die Belange der Menschen einsetzten, wäre es bitter um sie bestellt.
Selbstverständlich gibt es auch im Bereich der Kirchen schwarze Schafe. Diese schwarzen Schafe müssen ohne Wenn und Aber aus dem Gefüge der Kirche entfernt werden. Insgesamt finde ich ehrlich geführte, christlich geführte Einrichtungen ehrenwert, lobenswert und beachtenswert. Unser Herrgott, den wir in unserem Kulturkreis als übersinnliches Wesen betrachten wäre ja ganz gut, doch, mit dem Fußvolk seiner Beauftragten hapert es mitunter schon sehr! Unsere Oberen der Kirchen sollten sich darüber ernsthafte Gedanken machen. Erst wenn dies erkennbar wird, gehen die Zahlen der Kircheaustritte wieder zurück.

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