Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Folge finden Sie meinen Leserbrief zu dem Kommentar „wie ich es sehe“ in der HNA Ausgabe vom Samstag den 17. 10. 2026.

Autor: Der Inhaber und Verleger Dirk Ippen:

in Ihrem Kommentar stützen Sie sich auf die Zahl von über 250.000 zusätzlichen Beschäftigten im öffentlichen Dienst seit 2022, um das Bild eines aufgeblähten Staatsapparates zu zeichnen.

Kaufmännisch und statistisch greift diese Darstellung jedoch deutlich zu kurz und führt den Leser in die Irre.

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1. Kopfzahlen sind irreführend

Die zitierte Zahl spiegelt reine Personenzahlen („Köpfe“) wider. Da der öffentliche Dienst jedoch eine sehr hohe Teilzeitquote aufweist – insbesondere an Schulen und in Kindertagesstätten –, liegt der tatsächliche Zuwachs an echten Vollzeitstellen (Vollzeitäquivalenten / VZÄ) rechnerisch deutlich niedriger (bei etwa 120.000 bis 150.000 Stellen). Wer als Kaufmann rechnet, muss die Arbeitsstunden und Vollzeitkapazitäten betrachten, nicht die schlichte Personenanzahl. Eine Erzieherin mit halber Stelle zählt in der Ippen-Statistik als voller Zuwachs, leistet aber nur die Hälfte der Arbeitsstunden.

2. Wo das Personal wirklich arbeitet

Der Aufwuchs findet keineswegs in „aufgeblähten Verwaltungsbüros“ statt. Die Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen klar: Der Anstieg entfällt größtenteils auf die direkte Daseinsvorsorge – also auf Erzieherinnen und Erzieher an Kitas, Lehrkräfte an Schulen, auf die Polizei sowie auf Hochschulen und Forschung. Wer diesen Personalzuwachs pauschal kritisiert, müsste auch ehrlich sagen, an welchen Schulen oder Kitas er Stellen streichen möchte.

3. Demografie und Teilzeitwelle

Ein wesentlicher Teil der Neueinstellungen dient lediglich dazu, den gesellschaftlichen Trend zur Teilzeit aufzufangen und die anstehende Pensionierungswelle der Babyboomer-Jahrgänge auszugleichen. Ohne diese Einstellungen würde die staatliche Grundversorgung schlicht zusammenbrechen.

4. Bayern und die eigene Haustür: Wer im Glashaus sitzt…

Besonders pikant wird die Kritik bei einem Blick nach Bayern – dem Stammland des Ippen-Medienimperiums:

  • Staatlicher Ausbau im Freistaat: Gerade die bayerische Staatsregierung baut seit Jahren gezielt Planstellen im öffentlichen Dienst aus und setzt im Ländervergleich konsequent auf die Verbeamtung von Lehrkräften und Polizisten. Wer in Bayern den „aufgeblähten Staat“ anprangert, ignoriert, dass es genau diese Daseinsvorsorge, Schulqualität und innere Sicherheit sind, die die Bürger vor Ort einfordern.
  • Staat ist kein Medienkonzern: Während ein Verleger sein Unternehmen auf Rendite und Synergien trimmen kann, darf der Staat seine Aufgaben nicht einfach auslagern oder einstellen. Eine Grundschule im ländlichen Raum oder eine Polizeidienststelle lässt sich nicht wie eine unrentable Lokalzeitung abwickeln.

Fazit:

Wer aus der Position eines multimillionenschweren Verlegers mit pauschalen Kopfzahlen Stimmung macht, vergleicht Äpfel mit Birnen.

Eine seriöse Debatte fordert Transparenz bei den echten Vollzeitäquivalenten und benennt konkret, bei welchen staatlichen Leistungen gekürzt werden soll.

Unrechtsbewusstsein bei bewusster Irreführung fehlt Ihnen wohl.

Das kann nur bewusst passieren, denn Sie sind intelligent, als Unternehmer können und müssen Sie rechnen.

Hören Sie damit bitte auf, Ihre Leser sind nicht dumm.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Drolshagen

 


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