zum Schwerpunktthema „Rüstung – Sicherheit – Arbeitsmarkt“ in der FR vom 27.4.2026, S. 1-3.
Der sicherheits- und arbeitsmarktpolitische Nutzeffekt der aktuellen Aufrüstungs- und Kriegsertüchtigungsoffensive wird dramatisch verklärt und überschätzt. Das gilt sowohl für die vom Rüstungsboom enorm profitierende Rüstungsindustrie als auch für diverse Aufrüstungsbefürworter in Politik, Medien, Wirtschaft und Militärapparat.
Zunächst zum sicherheitspolitischen Lobgesang: Die Unterstellung, dass die wachsenden Militärausgaben zu einem Mehr an Sicherheit und Frieden führten, ist schlichtweg falsch oder zumindest problematisch. Denn je stärker eine Seite aufrüstet und Kriegsertüchtigung betreibt, desto stärker fühlt sich die je andere Seite in aller Regel bedroht und erweitert nun ihrerseits ihr militärisches Potenzial usw.
Dieser „organisierte Wahnsinn“ (Willy Brandt) führt nicht nur zu wachsendem wechselseitigem Misstrauen und immer destruktiveren Waffensystemen, sondern erhöht auch zwangsläufig die Gefahr eines panikinduzierten Präventivkriegs. Von daher braucht wirksame Friedenssicherung vor allem eines: kontrollierte und koordinierte Abrüstung und Entspannungspolitik auf allen Seiten - und kein uferloses Auf- und Wettrüsten! Unsere Politiker täten gut daran, diesen Entspannungsgedanken wiederzubeleben!
Ähnlich fragwürdig ist die zweite Behauptung, wonach Aufrüstung Arbeitsplätze und Wohlstand schaffe. Volkswirtschaftlich gesehen ist das ziemlicher Unfug, da Rüstungsinvestitionen erwiesenermaßen einen ungleich geringeren volkwirtschaftlichen Multiplikatoreffekt haben als etwa Bildungs- oder Infrastrukturinvestitionen. Waffen bringen (vielleicht) einen kurzfristigen Beschäftigungseffekt, aber keine mittel- und längerfristigen Wachstums- und Wohlstandsimpulse. Mit anderen Worten: Waffen verglühen oder liegen auf Halde, Bildungs- oder Infrastrukturinvestitionen stimulieren auf längere Sicht.
Eingedenk dieser Überlegungen ist es ein Hohn, wenn rüstungsaffine Politiker, Gewerkschafter, Firmenmanager und/oder Wirtschaftsforscher den Eindruck erwecken, als könne der aktuelle (kriegsbedingte) Einbruch unserer Wirtschaft durch forcierte Rüstung kompensiert werden. Das ist verantwortungslose Schönfärberei zugunsten der Legitimierung der horrend wachsenden Rüstungsausgaben.
Dr. Heinz Klippert












































































































