Die AfD schwächen, nicht nur bekämpfenDie Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt ist ein Warnsignal. Doch statt sich in gegenseitigen Vorwürfen zu verlieren, sollten sich die demokratischen Parteien eine entscheidende Frage stellen: Wie konnte es so weit kommen?
Wenn CDU-Abgeordnete möglicherweise mit AfD-Stimmen liebäugeln, beschädigt das die Glaubwürdigkeit politischer Abgrenzung. Die CDU muss erklären, wofür sie steht und welche Grenzen sie nicht überschreiten will. Eine Brandmauer ist schließlich nur so glaubwürdig wie das Handeln derjenigen, die sie errichten.
Doch Empörung allein wird die AfD nicht schwächen. Ebenso wenig helfen pauschale Vorwürfe gegen ihre Wähler. Wer Menschen zurückgewinnen will, muss ihre Sorgen ernst nehmen und politische Antworten liefern.
Die AfD bekämpft man nicht, indem man ihre Wähler bekämpft, sondern indem man ihnen überzeugende demokratische Alternativen bietet.
Dazu gehören bezahlbares Wohnen, eine funktionierende Verwaltung, eine verlässliche Gesundheitsversorgung und eine Migrationspolitik, die Probleme konsequent und rechtsstaatlich löst. Die Menschen müssen erleben, dass politische Versprechen nicht nur vor Wahlen gemacht, sondern anschließend auch umgesetzt werden.
Die demokratischen Parteien müssen wieder zeigen, dass sie trotz unterschiedlicher Positionen gemeinsam Verantwortung übernehmen können. Statt sich gegenseitig zu blockieren, sollten sie Lösungen präsentieren und eigene Fehler offen eingestehen.
Die Wahl in Sachsen-Anhalt muss deshalb ein Weckruf sein. Wer die AfD dauerhaft schwächen will, muss das Vertrauen in die Demokratie stärken. Nicht die lauteste Empörung entscheidet, sondern die überzeugendste Politik für die Menschen.
Berthold Gehlen





