.    Die Bürger red! Aktion  Home of Leserbrief

SymbolBenutzer SymbolAdressenschw SymbolA Zschw SymbolA Zschw SymbolSuchen SymbolMenue

  Wir begrüßen unsere neuen Autoren: 
Rüdiger Rehbein und Helmut Drolshagen

NEU:  Die beliebtesten:
Schlagwörter Leserbriefe

Geschichtsaufarbeitung – auf zwei unterschiedliche Arten 

Man sollte meinen, die Geschichte, vor allem die des zweiten Weltkriegs, der Judenvernichtungslager, KZs usw. ist aufgearbeitet, die Schuldigen benannt und in den Geschichtsbüchern verankert. Nichts, aber auch gar nichts ist ungesagt, oder gar ungesühnt. Und dann liest man Bücher wie diese und wird eines anderen belehrt:

Sabine, die im Anne-Frank-Haus in Amsterdam wieder und wieder Besucher durch die Räume führt und ihnen die Geschichte der jüdischen Familie ans Herz legt, tut ihr Bestes, damit sich Geschichten wie diese nicht wiederholen können. Niemals. Und dabei hat sie selbst ein so dunkles Geheimnis, das nicht einmal sie kennt. Erst im Laufe des Romans ahnt, ja letztlich erfährt man: nichts ist bis zum Schluss aufgeklärt. Das Schlimmste wartet immer noch, bis zum bitteren Ende…

Nicht nur die im Lager gesessenen haben ihr Päckchen zu tragen. Auch Verwandte, Freunde, nicht unmittelbar betroffene haben jahrzehntelang an dem Geschehenen zu knabbern, teils an den Erzählungen und Überlieferungen – aber auch an ihren eigenen Zweifeln an der Vertrauenswürdigkeit der Überlebenden… Wenn dann noch eine verwandtschaftliche Beziehung zutage tritt, mit der niemand gerechnet hat, wird erst das Ausmaß der Verwerfungen deutlich, die diese unrühmliche Geschichtsepoche ausgelöst hat…

Wir erfahren im Rahmen einer ungewöhnlichen Liebe davon, wie sich Menschen in Zeiten historischer Verwerfungen und politischer Verwicklungen verhalten – die einen treu, loyal wie wahre Freunde, die anderen eben wie normale Menschen eben, die an hier und heute, nicht an den anderen, sondern eher nur an sich und das Hier und Jetzt denken: Aber der Roman zeig, wie niemand seiner Verantwortung entgeht für das, was er getan – oder unterlassen hat. Wenn es dann noch sprachlich gut aufgebaut ist und siech spannend liest wie ein Krimi – umso besser. Für den Leser jedenfalls.

Jessica Durlacher : Die Tochter, Roman, Diogenes 2003, deutsch von Hanni Ehlers, 326 Seiten

Ganz und gar nicht aufgearbeitet ist ein anderer Teil der Geschichte, den Andrej Makine (Das französische Testament u.a.). in seinem Buch „Musik eines Lebens“ beschreibt. Diese Geschichte, nämlich die der russischen Gefangenen- und Arbeitslager, ist – im Gegensatz zur Geschichte des 2.Weltrkriegs - nach wie vor offen ist. Schlimmer noch: sie bestehen bis heute fort. Ein Grund mehr für den Autor, sich mit einer Person zu befassen, hier ist es der Pianist Alexej. Seine Familie wurde in den 50ern deportiert. Und nur einem freundlichen Nachbarn, der ihn auf dem Nachhauseweg vor der Rückkehr warnte, verdankt er sein Überleben. Aber der Weg nach Westen zu den Verwandten seiner Eltern ist nicht nur weit und beschwerlich. Dort angekommen, muss er seine Identität verschleiern – indem er die Identität eines gerade an der Westfront getöteten Soldaten annimmt: im Alter und Aussehen ihm nicht unähnlich übernimmt er dessen Ausweis wie die zerfetze Uniform(!) und flieht damit in ein neues, ihm unbekanntes Leben, in dem die Musik so gar keinen Platz mehr hat – wenn nicht eine mäßig begabte Klavierschülerin ihn Volks- und Kinderlieder klimpern ließe…An und an drückt er sich in einem Konzert in einen Sitz in der letzten Reihe des Konzertsaals statt Chopin oder Rachmaninow auf der der Bühne dort zu spielen. 

Makine beschreibt gefühlsecht und poetisch eine wirklich außergewöhnliche Lebensgeschichte – nicht so sehr die musikalischen Details (leider!), dafür in sprachlich so berührender Weise, für die auch der Übersetzer die richtigen Sensoren hatte. Ich möchte es allen empfehlen, auch wenn es, genau wie das erstgenannte Buch, bereits über 20 Jahre lang vorliegt.

Andrej Makine: Musik eines Lebens, Hoffmann und Campe 2003, deutsch von Holger Fock, 145 Seitenp

Renate Parschau


Teilen, Hinweis der Redaktion, Kommentieren und Bewerten in den sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:
  • Hinweis der Redaktion: Dies ist ein ungekürzter, unzensierter Originalleserbrief. Die Bürgerredaktion ist neutral. Verantwortlich für den Inhalt (auch der Kommentare) ist ausschließlich der Autor. Gedruckter Text ist farbig. Bewerten am Ende des Beitrags. INFO zum Autor, auch alle seine weiteren Artikel: klicken Sie bitte oben bei den Schlagwörtern den Namen des Autors. Wenn der Artikel nicht vollständig angezeigt wird (...), klicken Sie bitte auf den Titel. Ende des Hinweises.

Keine Kommentare


Zeitungsportal der Leserbriefe druckenden Zeitungen

Um zu sehen ob und wo Ihr Leserbrief gedruckt wurde, nutzen Sie Genios.de. Suchen Sie dort nach Ihrem Namen in Anführungszeichen z.B.: "Maxi Musterfrau". Das Portal zeigt Ihnen dann ob, wo und wann Artikel von Ihnen gedruckt wurden.

Unten die 118 Logos von allen Zeitungen, die Leserbriefe der
Bürgerredaktion.de
gedruckt haben. Aktuellste Informationen aus diesen großen deutschsprachigen Zeitungen? Direkt mit einem Klick zum Internetauftritt der Zeitungen? Sofort und ohne Umwege einen Leserbrief an diese Zeitungen schreiben? Klicken Sie drauf! Sie können dann auch sehen, ob und welchen Leserbrief die jeweilige Zeitung von den Artikeln der Autoren der Bürgerredaktion.de gedruckt hat und wie viel davon.

Adressenliste. E-Mail Adressen von 120 Zeitungen die Leserbriefe drucken.

Bitte beachten Sie, dass Artikel, die älter als vier Jahre sind, nur angemeldeten Besuchern angezeigt werden.


Alle gedruckten Artikel in der Badischen Zeitung. zur Homepage der Badischen Zeitung. Alle gedruckten Artikel im Kurier. zur Homepage des Kurier  

Datenschutz || Impressum || Kontakt

Idee, Design, Programm, Administration und Copyright  ©2026 by Michael Maresch