Die Krim ist kein Heiligtum, sondern eine russische Militärbasis
https://epaper.nordkurier.de/titles/templinerzeitung/14428/publications/3971/pages/1/articles/2563229/1/2
https://epaper.nordkurier.de/titles/templinerzeitung/14428/publications/3971/pages/2/articles/2563229/2/1
https://epaper.nordkurier.de/titles/templinerzeitung/14428/publications/3971/pages/2/articles/2563229/2/2
Das Herz wird mir seit geraumer Zeit immer schwerer. Einst freute ich mich auf die Neuigkeiten der Zeitungen und Internetseiten, bei Weitem nicht weil immer alles in Ordnung war oder gar schön. Eher weil ich mir die Hoffnung erhalten konnte, selbst in auch nur allerkleinster Weise, etwas daran ändern zu können. Doch heute lese ich auf der ersten Seite, dass "Putins Schattenflotte" unsere Küsten bedroht, indem seine Schiffe durch Havarien unsere Umwelt zerstören könnten. Das erscheint mir zunächst lediglich widersinnig, einerseits weil die LNG-Terminals als völlig problemlos dargestellt werden, andererseits, weil wir dabei sind, uns tüchtig in Richtung Krieg zu bewegen.
Bereits auf der zweiten Seite geht es munter weiter mit Erklärungen, die im Grunde erklären, warum es wichtig und legitim sei, die Krim zu erobern. Alles bestens so dargestellt, dass es leicht verdaulich geschluckt werden kann. Gleich darunter wird dann auch sogleich der "dicke Brocken" serviert. Im Grunde wird nichts anderes dargestellt, als dass es schon in Ordnung sei, wenn man seinen Blickwinkel von einem "Heiligtum" dahingehend fokussiert, dass daraus eine Art Zielscheibe wird. Putins völkerrechtswidrige Drehscheibe soll in Schutt und Asche gelegt werden, natürlich nur zum Schutz und dem Wohle aller edlen Menschen. Kein Wort davon, dass der OPLAN Deutschland vorsieht, dass eben Deutschland zu einem logistischen Dreh- und Angelpunkt der NATO umfunktioniert wird.
Aus dieser Perspektive betrachtet, wird es dunkel im Herzen. Vor meinen Augen sehe ich die wundervollen Menschen, die auf der Krim und in Moskau leben. Zarismus, Bolschewismus, Sozialismus und nun Putinismus. Dann sehe ich Ostdeutschland. Faschismus, Sozialismus, Kapitalismus und frage mich, ob es zu irgendeiner Zeit um die Menschen ging, die in den verschiedenen Ländern leben. Im Faschismus war man als Soldat ein Held, wurde im Sozialismus zum Kriegsverbrecher und wer im Sozialismus zunächst das Land vor dem kapitalistischen Ausland beschützte, wurde im Kapitalismus zum Mauermörder. Der Soldat im Faschismus wurde als Deserteur erschossen, im Sozialismus im Knast neu geformt und gerade wird ordentlich an den Gesetzen der Wehrpflicht gefeilt. In allen Reden oder Zeitungen werden einzelne Personen benannt - Hitler, Stalin, Honecker, Putin usw. - die nach jeweiliger Sichtweise als Helden der Nation oder Ungeheuer dargestellt wurden. Für die Menschen scheint es immer wieder zu bedeuten: Entweder du erschießt oder wirst erschossen. Mit etwas Glück bleibst Du ein Leben lang ein Held oder wirst nach dem Kriegsende zu einem Massenmörder.
Meine Mutter kennt den Krieg und hat versucht, ihre Söhne im Sinne der Kirche zu erziehen. Die meisten kennen den Teil mit der rechten und der linken Wange, ich kann berichten, dass das weder schön noch leicht ist. Jahrelange Hänseleien und körperliche Schmerzen führten dazu, dass ich einen der Schwächsten mit nur einem Schlag zu Boden warf und schwer verletzte. Noch am selben Tag gehörte ich dazu und hatte Macht. Ich habe das mein ganzes Leben lang bereut, weil mir absolut klar war, warum mich jemand, der ständig in Not war, angegriffen hat. Es sollte endlich aufhören!
Die Menschheit weiß heute alles über Psychologie, baut künstliche Intelligenzen und kann Waffen bauen, die die Welt per Knopfdruck in die Hölle verwandeln können, doch in Sachen Menschlichkeit hat sich nach Jesus aus mir unbegreiflichen Gründen rein gar nichts verändert.
Uwe Reetz
Die Krim ist kein Heiligtum, sondern eine russische Militärbasis
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- von Uwe Reetz
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