Demokratie im Outsourcing
Was bedeutet es eigentlich wenn wir von Demokratie sprechen und wo kommt der Begriff eigentlich her?
Recht frei übersetzt könnte man argumentieren, dass das Wort als „Stimme des Volkes“ interpretieren. Was auch nicht aus der Luft gegriffen ist, da die Demokratie aus Gebieten, die man in der Größe als Dorf bezeichnen kann, hervorgegangen war. Heute würde jeder sagen: Die Stimme des Volkes!
Schaut man sich nun um, stellt man unweigerlich fest, dass diese Struktureinheit unglaublich expandierte (EU und im Grunde „Der Westen!“).
Allerdings sollte beachtet werden, dass tatsächlich das Dorf alle wichtigen Entscheidungen traf und alles in kleinen,bekannten Rahmen stattfand. So gründete sich aus den „Ekklesias“ und dem „Thing“, dem „Comitia“ , sowie den „Oireachtas“ erst das heutige Demokratieverständnis.
In diesen Zeit war Anonymität ein echtes Fremdwort, viele kannten die gesamte Ahnenreihe derer, denen sie ihre Stimme anvertrauten.
Je größer die „Poleis“(Stadtstaaten) und ihres Gleichen wurden, desto größer wurde der Verwaltungsapparat (Apparat ist hier wörtlich zu nehmen) und auch die daraus resultierenden Kriege, sowie die Abgaben (die man heute Steuern nennt).
Anfangs konnte man das Konstrukt mit einer Art Schutzschirm vergleichen, so dass man auch von einer Art entrichtetem Schutzgeld sprechen kann.
Meiner Ansicht nach ist der „Apparat“ in seiner zunehmenden Feinheit und somit Lückenlosigkeit in seiner Wortmacht so laut geworden, dass die „Stimme des Dorfes“ im rattern der Zahnräder untergegangen ist.
Heute kennt man die Sprecher der Apparate nicht mehr, geschweige denn einige ihrer Ahnen. Die sprechenden Figuren erscheinen selten auf unseren Marktplätzen, meist funktioniert der „Apparat“ als Projektor oder zu neudeutsch als „Beamer“. Das Klappern der Schilde hat sich in ein „Plappern“ verwandelt, so dass es niemanden zu interessieren braucht, ob an nun dagegen oder dafür ist.
Selbst wenn man nicht mehr im Langhaus oder auf dem Marktplatz seinen Platz einnimmt; niemand nimmt Anstoß daran.
Im Jetzt gibt man seinen Zettel ab und wirft ihn in die Urne, so dass dann ein Jemand – den man weder kennt und bei dem man nicht mal erahnen kann, ob man ihm vertrauen kann – am Thing oder der Ekklesia teilnimmt. In unmittelbarer Nähe des Apparates, in dessen Scheinwerferlicht, wirft der Apparat auch enorme Mengen bedruckten Papiers aus, die ihn zeitnah eben von den Sorgen und Nöten befreit, die er eigentlich bekämpfen sollte.
Die Stimme wurde faktisch und zu neudeutsch „out-ge-sourced“.
So nach und nach könnte man deuten, dass sich sich das Wesen des „Apparates“ in die Köpfe
„der zu verwaltendem“ festgesetzt hat.
Korporatismus und Kollektivismus wurden zu einem festen Individualismus verschmolzen. Wer die Leiter, hin zum Apparaten, zu erklimmen sucht hat es auf diesem Wege leichter an sein Ziel zu gelangen. Zumindest wenn man sich das Kollektiv als eine Plattform vorstellt und den Individualismus als eine Art „Pfahlreihe“ welche sich hin zum Wunderautomaten emporhebt.
Neuerdings tragen wir die Projektionsfläche des Apparates jederzeit mit uns herum und den Weg zum Ziel finden wir in minutiöser Sorgfalt beschrieben direkt auf dem Display. Wer nun vor, hinter, über, unter oder rechts und links von uns seinen Platz einnimmt ist vollkommen nichtig geworden.
Wer sich nun entscheidet das Klettern aufzugeben, um sich umzudrehen oder nach links zu rechts zu schauen, bildet trotz den Unwillens eine Sprosse der Leiter.
Das Ganze wird für den Unwilligen enorm schwierig, weil er nie genau wissen kann, ob derjenige in seiner Nähe nun klettert, nur zögert oder auch per Entscheidung zur starren Sprosse geworden ist.
Ich möchte die Möglichkeit, dass man mir eine Freude an Dystopien unterstellt, sogleich im Keim ersticken und eine vielleicht andere Sichtweise anbieten. Es ist ohne Weiteres möglich, den Blick auf die Projektionsflächen zu lösen, um sich dort umzusehen, wo das Leben tatsächlich stattfindet. Man könnte sich umschauen und die Bedürfnisse des Lebens und der anderen erforschen, nur um sich der eigenen gewahr zu werden. Vielleicht stellt man so fest, dass man verlernt hat den Blick so zu setzen, dass man hinter den Köpfen der Pfahlreihen wahre Schätze vorfinden kann. Jeder Pfahl hat seine Geschichte, seine ganz persönliche Lehre und Leere, doch auch das Bedürfnis nach echtem Austausch und dem verschütteten Wunsch als das zu erkannt werden, was man im Körper, dem Geist und der Seele ist.
Ich möchte kein Dystopiker sein, einer dieser Schwarzmaler und Nutznießer der Zeit. Ich möchte eher jemand sein, der Wege für eine gemeinsame Vision kennzeichnet.
Allegorisch gesprochen warte ich im Langhaus oder auf dem Marktplatz darauf, dass das Dorf sich wieder zusammenfindet.
Uwe Reetz












































































































