Fast täglich liest man Hiobsbotschaften von Unternehmensinsolvenzen.
Was läuft da verkehrt?
Unsere Eltern, Großeltern, Urgroßeltern etc. hatten es früher auch nicht immer einfach. Teilweise standen unsere Vorfahren nach dem Krieg vor Ruinen oder hatten alles verloren. Dennoch haben viele unserer Vorfahren nach dem Krieg und nach der Heimkehr angepackt und unser Land wieder aufgebaut und das mit Erfolg. Noch heute sollten wir allen, die daran mitgewirkt haben, danken. Im Besonderen auch den so genannten Trümmerfrauen, die maßgeblich zu unserem Wohlstand beigetragen haben.
Traditionsunternehmen wurden wieder aufgebaut und weitergeführt, neue Unternehmen wurden gegründet. Der Aufschwung war auch für meine Generation, die Boomer, unverkennbar. Wir sind, dank unserer Vorfahren, in Frieden und Wohlstand aufgewachsen.
Dennoch, für Kinder von Familienunternehmen war und ist es mit Sicherheit nicht einfach, als Kind eines Familienunternehmens aufzuwachsen. In der Regel dominiert dann auch im Privat- und Familienleben das Familienunternehmen. Und dann oftmals auch die direkten oder indirekten Erwartungen und Hoffnungen der Eltern, dass die Kinder und Kindeskinder das Unternehmen später einmal fortführen werden.
Zu hohe Erwartungen, sind das vielleicht auch die Gründe für die vielen Insolvenzen?
Was haben unsere Vorfahren bei der Unternehmensführung besser gemacht als die jetzigen Unternehmergenerationen?
War es früher einfacher ein Unternehmen zu leiten?
Ich behaupte mal, dass es heutzutage durch die Möglichkeiten der IT sogar einfacher ist, ein Unternehmen erfolgreich aufzubauen und zu führen.
Geschäftsführer zu sein, will jedoch gelernt sein. Das erforderliche kaufmännische Grundwissen wird in der Regel in der Ausbildung und im Studium vermittelt. Aber das allein ist in der Regel nicht ausreichend, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen. Für eine erfolgreiche Unternehmensführung braucht es viel mehr, wie z. B. Kompetenzen in Personalführung, Empathie, Weitsicht, Visionen, Ehrlichkeit, Umgangsformen, Transparenz, Marktkenntnisse etc., um nur ein paar erforderliche Voraussetzungen für eine Managementfunktion zu nennen.
Fehlen diese Grundlagen, wird es nicht einfach, ein Unternehmen zu führen.
Mit Erschrecken habe ich feststellen müssen, dass vielen Geschäftsführern, egal ob angestellt oder auch als geschäftsführende Gesellschafter vorgenannte Eigenschaften fehlen. Da wundert es mich auch nicht, dass ca. 90 % der Insolvenzen auf Managementfehler zurückzuführen sind.
Zu hohe Energie-, Lohn- und Lohnnebenkosten, hohe Bürokratie, Absatzschwierigkeiten etc. werden oftmals als Gründe der Insolvenz genannt. In Wahrheit sind die Gründe für die Insolvenz in der Regel beim Management selbst zu suchen. Wie sonst lässt es sich erklären, dass Unternehmen wie Trigema mit einem Produkt, das eigentlich in Deutschland produktionstechnisch keine Zukunft hat, so erfolgreich ist?
Wenn Trigema in Deutschland erfolgreich produzieren kann, warum ist das nicht auf andere Branchen in Deutschland übertragbar? Ich behaupte mal, es ist übertragbar, nur braucht es dafür mehr als eine hochdotierte Anstellung als Geschäftsführer mit entsprechenden äußerlichen Prestigemerkmalen.
90 % der Insolvenzen sind auf Managementfehler zurückzuführen, jedoch habe ich noch keinen Geschäftsführer/in sagen hören, dass die Insolvenz auf seine/Ihre Managementfehler zurückzuführen ist.
Wenn ich die Aussagen der Vorstände in der Automobilindustrie höre, dass die derzeitige schwierige Lage auf Managementfehler zurückzuführen ist, frage ich mich, was die Vorstände die Jahre über überhaupt gemacht haben. Vermutlich haben diese Manager nur verwaltet und nicht an die Zukunft der Autoindustrie gedacht, obwohl dies ihre Aufgabe gewesen wäre. Und die Aufsichtsräte waren vermutlich auf der gleichen Linie unterwegs.
Meldet ein Unternehmen, gleich in welchem Bereich es tätig ist, Insolvenz an, sind die Leidtragenden in der Regel die Angestellten und Lieferanten und nur sehr bedingt die Geschäftsführer und Vorstände, die über die Jahre hinweg ihre „Schäfchen“ ins trockene gebracht haben.
Die Angestellten bekommen in der Regel vom Arbeitsamt für 3 Monate Insolvenzgeld; die Lieferanten hingegen bleiben meistens auf ihren Forderungen sitzen, es sei denn die Lieferanten nutzen die Vorteile eines Factorings.
Dennoch sind die 3 Monate Insolvenzzeit für viele Unternehmen eine Chance wieder Fuß zu fassen. Die Löhne werden vom Arbeitsamt gezahlt, und der Geschäftsbetrieb kann auf seine Vorräte zurückgreifen.
Was für Lösungen könnte es geben, damit die Insolvenzen signifikant abnehmen?
Geschäftsführer und Vorstände auch monetär in die Haftung nehmen.
Auskömmliches Grundgehalt, welches den normalen Steuersätzen unterliegt.
Zusätzliche Erfolgsprämien, die einem stark verminderten Steuersatz unterliegen, bspw. max. 20 %.
Verpflichtende Seminare für Geschäftsführer und Selbstständige, welches die grundlegenden Anforderungen für eine erfolgreiche Unternehmensführung vermittelt. Werden derartige Seminare nicht nachgewiesen, erlischt auch der Vorteil für einen günstigen Steuersatz bei den Erfolgsprämien.
Verpflichtende Haftungsbeteiligung der Geschäftsführer an der Insolvenz.
Geschäftsführer, Vorstände und Selbstständige, die ein Unternehmen in die Insolvenz geführt haben, für mindestens 10 Jahre sperren, als Geschäftsführer, Vorstand oder Selbstständiger mit sozialversicherungspflichtiger Personalverantwortung, tätig zu sein.
Aber auch die Tarifpartner sind m.E. mit in die Verantwortung zu nehmen.
Mögliche Lösungsvorschläge:
Tarifabschlüsse grundsätzlich auf eine 40 Stundenwoche auslegen mit folgender Option:
Wer weniger arbeiten möchte, bekommt auch weniger bezahlt.
Wer mehr arbeiten will, bekommt auch mehr bezahlt.
Dies bedeutet, dass Tarifabschlüsse auf eine 40 Stundenwoche basieren sollten. Das Entgelt bei einer 40 Stunden-Woche muss jedoch so bemessen sein, dass ein Single hiervon seinen/ihren Lebensunterhalt bestreiten kann. Arbeitet jemand jedoch mehr als 40 Stunden pro Woche, sollten die Mehrstunden steuerfrei vergütet werden. Die Wochenarbeitszeit sollte hierbei jedoch gedeckelt werden.
Körperliche Tätigkeiten mit einer Deckelung von max. 10 Stunden pro Tag und 50 Stunden pro Woche.
Nicht körperliche Tätigkeiten mit einer Deckelung von max. 12 Stunden pro Tag, max. 60 Stunden pro Woche.
Weitere Berücksichtigungen im Einzelfall. Ich könnte mir vorstellen, dass ein Fernfahrer bei entsprechenden Pausen gerne 12 Stunden am Tag fahren möchte und auch fahren kann, soweit er nicht für Be- und Entladetätigkeiten zuständig ist.
ankommen – anmelden – LKW öffnen und an die Rampe stellen – warten bis LKW entladen ist – LKW schließen – Papiere unterzeichnen (ggf. digital) – weiterfahren.
4 Tage a 12 Stunden = 48 Stunden, bspw. Montag bis Donnerstag
3 Tage Freizeit (Freitag bis Sonntag)
Bei der Einhaltung von entsprechenden Pausen, würde dies auch nicht die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.
Was würde vorgenannte Regelung bedeuten:
Weg vom Festlohn und hin zum leistungsabhängigen Stundenlohn, egal ob im gewerblichen oder kaufmännischen Bereich. Wer mehr arbeitet bekommt mehr Geld, wer weniger arbeitet bekommt weniger Geld.
Bei Seeleuten sind 100 bis 120 Überstunden pro Monat die Regel. Seeleute haben jedoch keinen täglichen Arbeitsweg und jeder Tag auf See, ob Werk- oder Feiertag, ist ein Arbeitstag. Im Gegensatz hierzu erhalten Seeleute entsprechende Urlaubstage. 3 Monate auf See mit anschließenden 3 Monaten Urlaub, sind keine Seltenheit mehr und ergeben den erarbeiteten Ausgleich.
Deutschland ist geprägt vom Mittelstand. Die Wirtschaftskraft in Deutschland wieder zu stärken heißt, den Mittelstand, Kleinunternehmer und die Industrie zu stärken. Dies bedeutet aber auch, die Bürokratie abzubauen und die Geschäftsführer und Vorstände monetär signifikant mit in die Verantwortung zu nehmen.
Grundgehalt mit ordnungsgemäßen Steuer- und Sozialversicherungsabgaben; Erfolgsprämien geknüpft an jährliche Zielvereinbarungen, die im Besonderen auch Innovations- und Serviceerfolge mitberücksichtigt, mit einer stark reduzierten Besteuerung (max. 20 %). Ich bin überzeugt, dass bei einem derartigen Gehaltsmodell, genügend Menschen gibt, die bereit sind, ein Unternehmen erfolgreich zu führen.
Weiterhin ist es zwingend erforderlich, die Bürokratie abzubauen.
Leiter- und Treppenprüfungen sind nur ein Beispiel für die Bürokratie. Ist eine Leiter defekt, liegt es auch im Interesse des Mitarbeiters und des Unternehmers, diese zu reparieren oder diese durch eine andere bzw. neue Leiter zu ersetzen. Ist eine Treppenstufe im Unternehmensgebäude defekt, liegt es auch im Interesse des Unternehmers, diese wieder instand zu setzen, denn jeder Krankheitstag eines Mitarbeiters kostet mehr als eine etwaige Reparatur einer Treppe oder Leiter. Die Lösung kann nur heißen:
Mehr Eigenverantwortung für die Arbeitnehmer und Arbeitgeber
Jede Vorschrift von den Institutionen wie z. B. IHK, Handwerkskammer auf Sinnhaftigkeit überprüfen zu lassen. Ist die Sinnhaftigkeit fraglich oder wenn der Nutzen in keinem Verhältnis zum Aufwand steht, ist die Vorschrift zu kippen, egal ob es sich um einen nationale oder eine europäische Vorschrift handelt.
Wir dürfen uns nicht von der EU „lenken“ lassen. Die EU hat viel zum Weltfrieden beigetragen, jedoch sollte die EU auch berücksichtigen, dass die einzelnen EU-Länder souverän sind. Die EU übergeordnet als Innovationsgeber, aber nicht als Hemmschuh und Bevormunder für die Mitgliedsstaaten.
Dies setzt jedoch voraus, dass sich die EU grundlegend neu ausrichtet.
So viel EU wie nötig, so wenig EU wie möglich.
Wir können nur hoffen, weiter in Frieden leben zu können. Dies umzusetzen ist eine der vielen Aufgaben unserer Regierung. Hoffen wir nur, dass unsere Regierung diesem auch gewachsen ist.
Ob Politiker, Unternehmer, Gewerkschafter und Arbeitnehmer, aber auch die Grundsicherungsempfänger, wir sitzen alle im gleichen Boot und wenn alle gemeinsam in die gleiche Richtung ziehen und jeder für sich und sein Umfeld Verantwortung übernimmt, bin ich überzeugt, dass Deutschland aus der derzeitigen Krise binnen kürzester Zeit gestärkt herausgehen wird.
Verstaatlichung von Unternehmen
CLAN und CLAN-Kriminalität
Migrationspolitik
etc.
sind Schlagworte, die sich interessant anhören, nur bin ich überzeugt, dass diese Aktionen nicht zum Wohlstand und Sicherung unseres Sozialstaates führen. Mit Sicherheit kann mehr Wohnraum geschaffen werden, wenn der Staat das Geld für den Rückkauf/die Verstaatlichung in den Wohnungsbau investiert.
Verstaatlichung von Wohnraum, zu dieser Aussage fällt mir folgender Satz von Konrad Ademauer ein:
„Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, wir haben jedoch nicht alle den gleichen Horizont“.
Lasst uns alle gemeinsam anpacken und mit Zuversicht in die Zukunft schauen und vielleicht gibt es auch Unterstützung vom künstlerischen Bereich, der uns alle wieder mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen lässt. Ich erinnere an die Lieder „Ein bisschen Frieden“ und „Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“. Das waren unter anderem Meilensteine, die uns Hoffnung gaben und uns in eine erfolgreiche Zukunft führten.
Carsten Seifert




