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Liebe Freunde und Bekannte

18. Sonntag im Jahreskreis 2026

Gebt ihr ihnen zu essen

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Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus, Kap. 14, 13-21

Als Jesus das hörte, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen!  Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!  Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier.  Er antwortete: Bringt sie mir her!  Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.

Predigt

Tun Sie sich mit solchen Wundererzählungen schwer? Fällt es Ihnen leicht, zu glauben, dass Jesus Hunderte oder Tausende von Menschen gespeist hat? Ringen Sie immer mal wieder damit, an Wunder zu glauben? Ringen Sie mit den Wundern, bei denen Jesus Kranke geheilt hat?

Ich habe für mich ein Mittel gefunden, wie es mir leichter fällt, solche Wunder zu glauben. Denn ich habe ganz andere Erscheinungen im Auge, bei denen es mir leichter fällt, sie als Wunder zu erkennen.

Das erste Wunder, das Sie vielleicht schon von mir gehört haben, ist dies: Am Karfreitag haben die Jünger Jesus schnöde sitzen lassen, sind abgehauen, hatten furchtbare Angst, dass auch sie gefangen genommen werden und waren einfach weg. Nur Johannes sei bei Jesus geblieben. Aber – wenige Tage oder Wochen später waren sie auf einmal mutige und überzeugende Verkünder Jesu. Wenn das kein Wunder ist! Wenn das nicht wirklich so gewesen wäre, gäbe es heute kein Christentum. Sie waren von jetzt auf nachher verwandelt, neue Menschen. Es dauerte vielleicht nicht Sekunden oder Minuten, sondern wohl Stunden und Tage. Aber es ist geschehen. Sie waren neue Menschen. Man kann natürlich Psychologen fragen, ob es noch andere derartige Fälle in der Weltgeschichte gegeben hat. Man kann viel Zeit einsetzen, Gründe zu finden, warum das kein Wunder war, sondern psychologisch zu erklären ist. Für mich ist es ein Wunder.

Und dann noch ein Wunder aus der Neuzeit. Auch dieses Beispiel kennen Sie vielleicht. Der junge Jesuitenpater Alfred Delp war von den Nazis gefangen, weil sie ihn zum Widerstand rechneten, der Hitler umbringen wollte. Er wurde im Gefängnis wild verprügelt, damit er andere Hitlergegner verrate. Es wurde ihm die Freiheit versprochen, wenn er aus dem Jesuitenorden austreten würde. Er hat es nicht getan. Natürlich kann man sagen, dass er eben ein starker Mann war. Für mich ist es ein Wunder, dass er im Gebet von Christus die Kraft erhielt, sich foltern zu lassen und Christus nicht zu verraten. Für mich ist es ein Wunder, dass Christus Menschen auch heute so beistehen kann, dass sie solches durchstehen.

Wenn also Christus solche Wunder gewirkt hat, warum sollte er dann nicht auch Hunderte oder Tausende speisen können?

Man kann dann natürlich fragen: Wenn Gott solche Wunder wirken kann, warum hungern dann heute Millionen oder Milliarden Menschen? Warum speist Gott die Menschen nicht? Ich werde Ihnen auf diese Frage keine Antwort geben können, die Sie wirklich überzeugt. Eine Antwort, die ich für mich selbst gefunden habe, lautet: Gott hat uns Menschen die Freiheit gegeben, und wir wären in der Lage, die ganze heutige Menschheit zu ernähren. Wir – die Menschheit – könnten allen Hunger überwinden, könnten alle Menschen speisen. Wenn die Menschheit, die so viel Technik hat und sogar in den Weltraum fliegen könnte, könnte sie dann nicht auch alle Menschen ernähren? Aber sie tut sie nicht, weil sie ein hartes Herz hat. Wenn ich das Vater-unser bete, dann denke ich bei den Worten „Unser tägliches Brot gib uns heute“ auch gleich an die nächste Bitte „Vergib uns unsere Schuld“. Vater vergib uns unsere Schuld, dass Millionen Menschen Hunger leiden und kein Brot haben. Wir könnten sie ernähren, aber denken lieber an den Urlaub am Strand. Ich denke manchmal: Vielleicht bereut Gott es schon, dass er den Menschen die Freiheit gegeben hat. Sie missbrauchen ihre Freiheit und tun nicht, was sie könnten.

Ich möchte noch einen ganz anderen Gedanken zu den Wundern anfügen: Ich denke: Verschiedene Kulturen brauchen auch verschiedene Zugänge zum religiösen Glauben. Unsere Vorfahren taten sich vermutlich weniger schwer mit den Wundern wie Brotvermehrung oder Krankenheilungen. Sie hatten noch weniger naturwissenschaftliches oder psychologisches Wissen. Wir haben davon wesentlich mehr. Wir haben viel mehr Bildung, historische, naturwissenschaftliche, mathematische Bildung. Manche modernen Menschen meinen vielleicht, aufgrund unserer Bildung täten wir uns schwerer mit dem Glauben. Ich bin da sehr unsicher. Ich glaube im Gegenteil: Bildung kann unserem Glauben sogar helfen. Aber es muss gründliche Bildung sein, keine Halbbildung. Ich meine vor allem: Um zum religiösen Glauben zu kommen, hilft selbständiges Denken. Wenn wir wenig denken und vor allem: Wenn wir nicht selbständig denken, dann ist Glauben schwer. Wir müssen lange und selbständig denken. Ich selbst habe das Wunder, dass aus den feigen und dummen Aposteln offenbar mutige und mitreißende Zeugen wurden, erst spät erkannt. Man kann gegen dieses Argument natürlich einwenden: es beweist gar nichts. Man kann sich aber auch von diesem erstaunlichen Geschehen bewegen lassen. Was wir moderne Menschen vielleicht verlernt haben und neu lernen müssten, ist das Staunen. Zum Staunen braucht man Zeit und Ruhe. Wenn wir nur oberflächlich auf Ereignisse blicken, dann kommen wir nicht zum Staunen. Wir müssen gründlich hinschauen, uns Zeit nehmen. Naturwissenschaftler haben sich viel Zeit genommen. Kamen so zum Staunen. Man muss nach dem ersten Eindruck auf Distanz gehen und sich fragen, was da los ist.  Der echt Suchende geht auf Distanz, er schaut genau hin. Es braucht dann aber auch immer einen Sprung. Man muss den Sprung zwar nicht tun, man wird nicht dazu gezwungen. Aber wenn man den Sprung getan hat, sieht man, dass er richtig war. Wer gesprungen ist, der erkennt, dass der Sprung gut war und dass man der Wahrheit näher gekommen ist. Wagen wir den Sprung zum Glauben an Jesus Christus und machen wir unser Leben an ihm fest. Dann erhält unser Leben die Standfestigkeit, die es gerade heute braucht. Amen.

Lesung aus dem Brief an die Römer, Kap. 8, 35, 37-39

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In all dem tragen wir einen glänzenden Sie davon durch den, der uns geliebt hat. Doch in alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

 

Eberhard von Gemmingen

 

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