Das Rededuell zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Peer Steinbrück erschien mir fast wie eine Harmonierveranstaltung. Es wurde von von beiden Kontrahenten viel gesagt, und doch wieder nichts, das die Menschen in Deutschland von der großangekündigten Sendung erwarteten. Auf Fragen der ModeratorenInnen gab es mitunter sehr ausweichende Antworten. Peer Steinbrück hatte es nicht so nötig mit Wortblasen umherzuschmeißen. Unsere Kanzlerin machte ihrem Ruf alle Ehre. Mit ihrem "weiter so in Deutschland", bezeugte sie jedenfalls, dass sie lieber in der abwartenden Position bleiben wollte. Sie führte aus, dass sie Themen erst anspricht, wenn es an der Zeit ist. Frau Merkel erkannte aber nicht, dass es bereits längst an der Zeit gewesen wäre, zu vielen Problemen und Nöten der eigenen Bevölkerung zu sprechen und vor allem, zu handeln. Die (noch) Bundesmutti ließ eher erkennen, dass andere Themen wichtiger sind als die Nöte der Bürger im Inland. Es wurde vieles von dem gefaselt, was angegangen werden hätte sollen, aber nicht wirklich angepackt wurde!
Von beiden wurde in Sachen Euro-Rettung, Staaten-Rettung im Euroraum verschwiegen, was an massiven, noch auf uns Deutsche zukommende Belastungen hereinbrechen. Es wurde lediglich gesagt, dass es weitere Belastungen geben wird. Frau Merkel spielte desweiteren die Kluft zwischen den Pensionären und Rentnern gezielt herunter, tat so, als ob die Beamten am Hungertuch nagen würden, die Diskrepanz bei den Alterseinkünften von Rentnern und Pensionären absolut nötig wäre. Mir kam es so vor, als suchte man hier nur die Harmonie zwischen beiden Kontrahenten. Bei den wichtigen Themen Gesundheitspolitik, der Mindestlohngestaltung eierte unsere Kanzlerin ebenfalls nur im Nebel umher. Es war klar zu erkennen, dass sie nach wie vor auf der Seite der Manager und des Kapitals steht, sagte aus, dass man die Unternehmen nicht noch weiter steuerlich belasten könne, denn sie wolle mehr Menschen in Arbeit und Brot bringen mit ihrer Haltung und Politik. Das Einzige was sie mehrfach betonte war, dass jeder von seiner normalen Arbeitstätigkeit leben können müsse. Das ist nichts Neues, das ist eine alte Binsenweisheit, kein wirklicher Erfolg aus dem Rededuell.
Europa braucht die in Not geratenen Staaten zum Überleben, zum Erhalt der Eurowährung. Von Herrn Steinbrück wurden die Griechenlandhilfen als eine Art Marshallplan II bezeichnet. Er erinnerte, dass Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg eben mit besagtem Marshallplan auch geholfen wurde. Wenn Frau Merkel so schön sagt, dass die Deutschen dem Euro ihren Wohlstand zu verdanken haben, so möchte ich fragen: "wen sie damit meint!" Wahrscheinlich meint sie sich und die gut versorgte Kaste der Politiker selbst. Es ist unübersehbar, dass massenhafte Altersarmut geschaffen wurde in ihrer Amtszeit. Daraufhin angesprochen, wich sie aber auch schnell vom Thema ab.
Deutschland braucht meines Erachtens für die zukünftige Regierung handlungsfähige Mehrheiten, Deutschland braucht schlagkräftige Oppositionsparteien, um dem weiteren wirtschaftlichen Niedergang der Wirtschaft und die Zunehmende Verarmung der Menschen zu verhindern. Da stimme ich wieder einer Aussage von Herrn Hans-Olaf Henkel zu hundert Prozent zu, wenn er dies ebenfalls betont. Wenn, wie öfter angeklungen, bei den jetzigen Arbeitnehmern die private Zusatzversorgung -egal ob Riester oder anderen Modellen- so hervorgehoben wurde, so darf berechtigt gefragt werden, von welchem Geld. Hier hat Peer Steinbrück jedenfalls ausgeführt, dass es den vielen der Jüngeren finanziell gar nicht möglich ist, die Zusatzversorgung aufzubauen.
In meinen Augen brachte diese als Riesenevent angekündigte Fernseh-Show nichts wirklich Konkretes und Neues!
Alois Sepp

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