Donaukurier: Zur Debatte um ein Tempolimit - QR Code Friendly

Zum Leserbrief vom 5. Mai 2023 (Seite 16) von Herbert Clasen / Obergriesbach unter Überschrift „Schutz von Leben und Klima“

 

Falsch wiedergegebene Daten

 

Beispielhaft zeigt dieser Leserbrief, wie emotional und faktenverdrehend dieses Thema diskutiert wird. Je nach politisch-ideologischer Einstellung bzw. wer die Studien zum CO2-Ausstoß in Auftrag gegeben hat variieren diese um Faktor 10. Bei einem Tempolimit 120 spricht die FDP von einer CO2-Einsparung von 1,1 Mt (=Mio t), das Bundesumweltamt in 2020 noch von 1,9 Mt und von 2,6 Mt sogar bei 120 km/h. Bereits 3 Jahre später kommt das UBA auf 6,7 Mt. Die Deutsche Umwelthilfe ermittelt sogar 11,1 MT, allerdings für Tempo 100 auf Autobahnen und Tempo 80 auf Landstraßen, was der Leserbriefschreiber großzügig falsch für Tempo 130 angegeben hat und was auch bisher noch nicht zur Debatte gestanden ist. Bei dieser hohen Einsparung wurde trickreich angenommen, dass Autofahrer wegen des niedrigen AB-Tempolimits eine kürzere Route auf der Landstraße (mit Ortsdurchfahrten!) auswählen würden. Allerdings dürfte das kontraproduktiv für die Unfallhäufigkeit sein. Im Jahr 2019 sind von den 3046 Verkehrstoten 2990 auf Orts- und Landstraßen ums Leben gekommen. Von der zusätzlichen Verkehrsbelastung ganz zu schweigen. Bei einem deutschen Gesamtschadstoffausstoß von 165 Mt im Verkehrsbereich ergeben sich also je nach Studie und Interessenlage 0,7% bis 4,1% Minderung bei TL 130. Beim Abschalten der letzten 3 Atomkraftwerke waren 6% Leistungswegfall für die Stromerzeugung trotz Energieknappheit für die Grünen vernachlässigbar. Hier spielt es auch keine Rolle, dass D. entgegen aller anderen Industrienationen aus der Kernenergie aussteigt. Was man halt gerade erreichen will. Welche Zahlen stimmen, ist anscheinend Glaubenssache und kaum objektiv überprüfbar.

Dafür gibt es zur Unfallhäufigkeit objektive Zahlen. Pro Milliarde Fahrzeug-km auf Autobahnen gibt es in D. 1,6 Unfalltote. Trotz Tempolimit sind in diesen Ländern die Zahlen höher: in Frankreich 1,7 - in Spanien 2,6 – in Italien 3,1 und in Polen sogar 4,8 Tote. Vielleicht liegt die niedrige deutsche Quote daran, dass die über 30% mit Tempolimit bestehenden AB-Abschnitte als Unfallschwerpunkte schon berechtigt limitiert wurden.

Abschließend noch eine Bemerkung zur Aussage des Leserbriefschreibers, dass sich der Energieverbrauch mit dem Quadrat der Geschwindigkeit erhöhen würde. Er verwechselt hier den physikalischen Satz zur Energie einer Masse, deren kinetische Energie sich mit dem Quadrat der Geschwindigkeit erhöht. Das hat aber mit dem Energieverbrauch eines PKWs nichts zu tun. Für jedermann anschaulich ist das an folgenden Beispiel zu sehen: Angenommen ein Auto braucht bei 65 km/h ca. 5l/100 km, dann wird es bei 130 km/h wohl kaum 25 l/100km brauchen. Was ich sagen will: Jeder schmeißt für seine Ziele mit selbstgefälligen Zahlen um sich, die manchmal falsch oder momentan schwer nachzuweisen sind!

 

Reinhold Picker

Weitere Artikel
Autor: Reinhold Picker

Bewerten, Kommentieren und Teilen in sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:

Um diesen Artikel hier in der Bürgerredaktion zu kommentieren, bitte anmelden.

Donaukurier: Zur Debatte um ein Tempolimit
Durchschnitt 4.8 von 5 bei 5 Bewertungen

Bewertung: 5 / 5

Stern aktivStern aktivStern aktivStern aktivStern aktiv