Geld verdirbt den Charakter - QR Code Friendly

Sehr geehrte Damen und Herren,

bis zu meinem 9. Lebensjahr war ich absolut Fußball desinteressiert.

Am Samstagabend schaute ich viel lieber „Disco“ oder „Hitparade“ statt die „Sportschau“.

Ein Bundesligaspiel Anfang der 1970er-Jahre, das ich „gezwungenermaßen“ bei „Heute im Stadion“ mitverfolgte, entfachte in mir jedoch ein leidenschaftliches Feuer.

Der FC Bayern schoss sich mit einem souveränen 3:0-Sieg gegen einen damals starken VfB Stuttgart aus der Krise.

Die mitreißende Reportage von meinem ewigen Sportreporteridol, Oskar Klose, werde ich nie vergessen. Sie hat mein Verhältnis zum Fußball mit einem Schlag radikal verändert.

Ich entdeckte die große Faszination dieses Sports.

In den darauffolgenden Jahren wurde ich zu einem großen Anhänger des FC Bayern München. Ich war sozusagen ein Bayern-Ultra.

Der „FC Breitnigge“ Ende der 1970er-Jahre bis Anfang der 1980-Jahre stellte für mich das Non-Plus-Ultra dar.

Die damalige Mannschaft war sicherlich nicht die erfolgreichste und vielleicht auch nicht die spielerisch stärkste in der langen Vereinsgeschichte der "Bayern".

Aber sie hatte Struktur und Charakter.

Es gab einen, der den Ton angab und die anderen im positiven Sinne führte: Paul Breitner.

Mit Ausnahme von Karl-Heinz Rummenigge bestand der Rest der Mannschaft im Grunde nur aus spielerisch eher „durchschnittlichen“ Spielern, die jedoch auf ihre Art große Persönlichkeiten waren.

Angefangen von Bernd Dürnberger über Klaus Augenthaler, Udo Horsmann, Hanne Weiner und Kurt Niedermayer bis hin zu Wolfgang Dremmler.

Sie alle stellten sich in den Dienst der Mannschaft, ohne Starallüren zu entwickeln.

Obwohl sie dazu allen Grund gehabt hätten. 

Denn immerhin wurde das Team in der relativ kurzen Zeit trotz sehr starker Konkurrenz des HSV zweimal Deutscher Meister und scheiterte nur mit viel Pech, aber auch Unvermögen bei der Chancenverwertung, im Finale, am Gewinn der heutigen Champions League.

Damals gab es noch dringend benötigte „Indianer“ auf dem Fußballplatz. Diese sogenannten „Wasserträger“ waren die eigentlichen Helden.

Heute glaubt fast jeder, auch abseits des Fußballplatzes, „Häuptling“ spielen zu müssen.

Dies ist aus meiner Sicht einer der Gründe, warum in Politik und Wirtschaft immer weniger gut funktioniert.

Mein Interesse am Profi-Fußball hat spätestens dann erheblich nachgelassen, als ich zunehmend den Eindruck gewann, dass auf dem Platz keine Fußballer, so wie ich sie als Kind kennenlernen durfte, stehen, sondern höchstbezahlte „Modells“ , die nicht mehr bereit sind, im Dienste der Mannschaft notfalls „Gras zu fressen“.

Die Frisur und die Tattoos scheinen manchmal wichtiger zu sein als der Ball.

Ein Spruch besagt „Geld verdirbt den Charakter“.

Die heute bezahlten Spielergehälter und Ablösesummen sind jenseits von Gut und Böse.

Auch Corona hat keine Bewusstseinsveränderung, wie anfangs erhofft, bewirkt.

Ganz oben im Fußball-Olymp thront die Fifa, die im Grunde nur noch durch Skandale und eine unersättliche Geldgier auf sich aufmerksam macht.

Die nationalen Verbände stehen ihr zum großen Teil leider in nichts nach.

Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er ein derartiges System mit seinem eigenen Geld noch unterstützen möchte.

Ich jedenfalls bin bereits bei der WM in Russland „ausgestiegen“.

Meine alte und neue Leidenschaft gilt dem Eishockey.

Eine bisher vergleichsweise weitaus ehrlichere Sportart.

Hoffentlich bleibt das auch so.

Freundliche Grüße

Alfred Kastner

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Autor: Alfred Kastner

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