Bürgerredaktion Startbild

Die Bürger red! Aktion Home of Leserbrief

NEU:  Die beliebtesten:
Schlagwörter Leserbriefe

Wenn der Patient zur Schnittstelle wird
Unser Gesundheitssystem ist überlastet. Darüber lässt sich trefflich diskutieren: über Ärztemangel, Finanzierung, Digitalisierung und Bürokratie.
Mich beschäftigt inzwischen eine andere Frage:Was macht ein überlastetes System mit den Menschen, die sich darin begegnen?
In den vergangenen Monaten habe ich als Angehörige eines schwer erkrankten Menschen einiges darüber gelernt.
Für viele Probleme gibt es inzwischen einen vorgesehenen Weg. Der Facharzt ist telefonisch kaum erreichbar, also Doctolib. Wenn der nicht helfen kann, dann die 116117. Für den dringlichen Facharzttermin braucht es einen Vermittlungscode, also zum Hausarzt. Ist dieser im Urlaub und die Vertretung überlastet, beginnt die Reise von vorn.
Jeder einzelne Schritt ist erklärbar. Vielleicht sogar vernünftig.
Und trotzdem entsteht in der Summe etwas Merkwürdiges. Die Organisation verschwindet nicht. Sie wandert. Und irgendwann liegt sie bei dem Menschen, der eigentlich krank ist, oder bei seinen Angehörigen, der aber auch arbeiten (Vollzeit) soll.
Man telefoniert, wartet, erklärt, fragt nach, beschafft Unterlagen und versucht sogar herauszufinden, welche Stelle für welchen Schritt zuständig ist. Irgendwann erschöpft nicht mehr nur die Krankheit, der Weg zu ihrer Behandlung erschöpft. Dabei möchte ich niemanden zum Schuldigen machen. Die Mitarbeiterin am Empfang hat den Ärtztemangel nicht verursacht. Die 116117 kann auch keine zusätzlichen Termine erschaffen und eine Hausarztpraxis kann nicht unbegrenzt auffangen, was an anderer Stelle fehlt.
Aber gerade an solchen Systemen bekommen die Menschen an ihren Schnittstellen eine besondere Bedeutung, denn, wer am Tresen oder am Telefon sitzt, besitzt eine kleine Form von Macht. Nicht die Macht eine Krankheit zu heilen. Aber die Macht, noch einmal hinzusehen, eine Frage weiterzugeben oder einen Weg erklärbar zu machen. Und einem Menschen wenigstens das Gefühl zu geben: Ich habe Sie verstanden, weshalb Sie gerade nicht weiterwissen.
Wie groß dieser Unterschied sein kann, erlebe ich selbst immer wieder und wieder und es macht mich wütend und es erschöpft mich. Es nimmt mir die Kraft, die ich eigentliche benötige, um den Anforderungen des Berufslebens, mein soziales Leben und vor allem als pflegende Angehörige gerecht zu werden.
Sicherlich können wir nicht jedes Problem lösen, aber jeder einzelne ob am Telefon am Arzttresen oder an allen anderen Stellen kann sich entscheiden, wie wir einander begegnen, auch in einem überlasteten System. Denn Menschlichkeit braucht keinen Termin und keinen Vermittlungscode.

Maike Griep


Teilen, Hinweis der Redaktion, Kommentieren und Bewerten in den sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:
  • Hinweis der Redaktion: Dies ist ein ungekürzter, unzensierter Originalleserbrief. Die Bürgerredaktion ist neutral. Verantwortlich für den Inhalt (auch der Kommentare) ist ausschließlich der Autor. Gedruckter Text ist farbig. Bewerten am Ende des Beitrags. INFO zum Autor, auch alle seine weiteren Artikel z.B. bei (+x neuere Briefe): klicken Sie bitte oben bei den Schlagwörtern den Namen des Autors. Wenn der Artikel nicht vollständig angezeigt wird (...), klicken Sie bitte auf den Titel. Ende des Hinweises.

Keine Kommentare


Zeitungsportal der Leserbriefe druckenden Zeitungen

Um zu sehen ob und wo Ihr Leserbrief gedruckt wurde, nutzen Sie Genios.de. Suchen Sie dort nach Ihrem Namen in Anführungszeichen z.B.: "Maxi Musterfrau". Das Portal zeigt Ihnen dann ob, wo und wann Artikel von Ihnen
gedruckt wurden
.

Unten die 118 Logos von allen Zeitungen, die Leserbriefe der
Bürgerredaktion.de
gedruckt haben. Aktuellste Informationen aus diesen großen deutschsprachigen Zeitungen? Direkt mit einem Klick zum Internetauftritt der Zeitungen? Sofort und ohne Umwege einen Leserbrief an diese Zeitungen schreiben? Klicken Sie drauf! Sie können dann auch sehen, ob und welchen Leserbrief die jeweilige Zeitung von den Artikeln der Autoren der Bürgerredaktion.de gedruckt hat und wie viel davon.

Adressenliste. E-Mail Adressen von 120 Zeitungen die Leserbriefe drucken.

Bitte beachten Sie, dass Artikel, die älter als vier Jahre sind, nur angemeldeten Besuchern angezeigt werden.


Alle gedruckten Artikel in der Badischen Zeitung. zur Homepage der Badischen Zeitung. Alle gedruckten Artikel im Kurier. zur Homepage des Kurier  

Datenschutz || Impressum || Kontakt

Programm: Joomla || Server: All-Incl-Com Dresden || Idee, Design, Programm, Administration und Copyright  ©2026 by Michael Maresch