FEINDLICHE ÜBERNAHME COMMERZBANK
Zum Artikel „Unicredits Sieg hat viele Gewinner“ (v. Dennis Kremer) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 12.07.26 möchte ich mich als Aktionär der Commerzbank wie folgt äußern:
Einigen Darstellungen in o. a. Artikel kann ich zustimmen, anderen nicht – ohne im Einzelnen hierauf einzugehen. Jedenfalls hat sich die Commerzbank in den letzten Jahren überaus positiv entwickelt – eine Übernahme macht aus Commerzbank-Sicht keinen Sinn. Im Übrigen braucht Deutschland zwei eigenständige große Banken, wobei die Commerzbank insbesondere in der Mittelstandsfinanzierung sehr erfolgreich ist.
Grundsätzlich bin ich folgender Auffassung:
Bei der von Unicredit nahezu vollzogenen Übernahme der Commerzbank handelt es sich unbestritten um eine feindliche Übernahme. Diese wurde gegen den Widerstand der Commerzbank-Führung (und Arbeitnehmer) und auch des zweitgrößten Aktionärs Bundesrepublik Deutschland (Bund) durchgesetzt. Die freien Aktionäre der Commerzbank dürften in ihrer großen Mehrheit ebenfalls dagegen sein. In Italien wurde der Unicredit kürzlich eine Bankübernahme durch die Regierung untersagt, in Deutschland scheint so etwas nicht möglich zu sein – oder fehlte der entschlossene Wille?
In der nächsten Commerzbank-Hauptversammlung (HV) wird die Unicredit eine Neubesetzung der Kapitalseite des Aufsichtsrates (AR) in ihrem Sinne durchsetzen und anschließend versuchten, den derzeitigen Vorstand der Commerzbank auszutauschen und mit eigenen Leuten zu besetzen.
Grundsätzlich stehen sich im Aufsichtsrat die Arbeitnehmerseite (pro Commerzbank) und die Kapitalseite (im Wesentlichen Unicredit) gleichgewichtet gegenüber. Da der AR-Vorsitzende (Unicredit) ein Doppelstimmrecht besitzt, kann er grundsätzlich alle Ergebnisse der AR-Sitzungen im Sinne der Unicredit entscheiden.
Möglicherweise kann aber ein Durchregieren der Unicredit mit der Folge einer Verschmelzung mit der HVB (Unicredit), Lenkung aus Mailand und massivem Stellenabbau bei der Commerzbank vermieden werden. Der Bund stellt als derzeit zweitgrößter Aktionär zwei Vertreter der Kapitalseite. Falls der Bund berechtigt ist, auch in einem zukünftigen Aufsichtsrat zwei Vertreter zu entsenden, besteht m. E. eine Chance.
Wenn beide Vertreter des Bundes konsequent mit der Arbeitnehmerseite stimmen würden, könnte die (restliche) Kapitalseite (Unicredit) mit einer Stimme Mehrheit überstimmt werden. Voraussetzung wäre allerdings eine nachhaltige Unterstützung seitens des Bundes! Ein Verkauf der Bundesbeteiligung etwa aus Haushaltsnöten dürfte keinesfalls geschehen.
Die freien Aktionäre der Commerzbank haben ihre Anteile weitestgehend nicht der Unicredit angedient. Insofern wäre es zumindest moralisch unterstützend, wenn möglichst viele dieser Aktionäre auf der nächsten Hauptversammlung gegen die Unicredit-Vorschläge stimmen würden. Eine persönliche Teilnahme an der HV ist nicht erforderlich. Es reicht eine Teilnahme per Internet oder über eine Aktionärsvereinigung (DSW, SdK).
Wenn dieses Vorgehen nachhaltig gelänge, könnte die Unicredit evtl. nach einer gewissen Zeit bereit sein, ihre Ansprüche zurückzuschrauben.
Ziel sollte sein: Die Commerzbank bleibt selbstständig und wird nicht mit der HVB verschmolzen. Zudem sollte sie – zumindest im Wesentlichen – selbst über ihre Geschäftspolitik entscheiden.
Wenn die Unicredit die Hauptversammlungsmehrheit hat, ist dies bedauerlich, muss aber zunächst hingenommen werden. Idealerweise könnte Unicredit im Interesse einer verbesserten Zusammenarbeit ihren tatsächlichen Anteil auf max. 40 % herunterfahren und die Commerzbank lediglich als Finanzbeteiligung betrachten.
H. J. Lüke
Dipl.-Kaufmann











































































































