Ein Stadtteil steht still
Sehr geehrte Redaktion,
seit Tagen war angekündigt, dass es am Montag schneien würde. Kein plötzlicher Wintereinbruch, keine Überraschung. Trotzdem habe ich heute Morgen 1,5 Stunden gebraucht, um von Westerhüsen in die Innenstadt zu gelangen. (mein Mann war früher an seinem Arbeitsplatz in Quedlinburg, als ich in der Innenstadt!!!!) Die Straßen waren spiegelglatt, geräumt oder gestreut wurde offensichtlich nicht.
Doch das eigentliche Problem liegt tiefer.
Westerhüsen ist verkehrstechnisch faktisch von einer einzigen Achse abhängig: der Schönebecker Straße. Passiert dort ein Unfall – und das ist bei glatter Fahrbahn nicht unwahrscheinlich – steht alles still. Die komplette Achse ist blockiert. Es gibt keinen anderen Weg, keine echte Umleitungsmöglichkeit. Ein einziger Engpass entscheidet darüber, ob tausende Menschen zur Arbeit, zur Schule oder zu wichtigen Terminen kommen.
Der öffentliche Nahverkehr bietet ebenfalls keine verlässliche Absicherung. Fällt auf der Schönebecker Straße der Verkehr aus, steht auch die Straßenbahn. Eine Alternative gibt es nicht. Die S-Bahnen fallen zudem regelmäßig aus oder kommen verspätet – auch das ist für Pendler leider Alltag.
Gerade weil mein Sohn heute seine Vorabiturprüfung schrieb, haben wir uns bewusst für das Auto entschieden. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil wir glaubten, damit wenigstens eine realistische Chance zu haben, pünktlich anzukommen. Selbst das hat nicht gereicht. Er kam verspätet. Kommentar in der Schule: Man müsse eben früher losfahren.
Wie viel früher denn noch, wenn ein ganzer Stadtteil infrastrukturell am seidenen Faden hängt? – 1,5 Stunden!!!!
Es kann nicht sein, dass Schülerinnen und Schüler bei wichtigen Prüfungen möglicherweise Nachteile erleiden, weil eine Landeshauptstadt bei angekündigtem Schneefall nicht rechtzeitig reagiert – und gleichzeitig keine belastbare verkehrliche Alternative existiert.
Westerhüsen wirkt oft wie ein vergessener Stadtteil. Wer hier wohnt, kennt die morgendlichen Staus, die Abhängigkeit von einer einzigen Straße und die Unsicherheit im Bahnverkehr. Aber eine Stadt darf ihre südlichen Stadtteile nicht strukturell abhängen.
Vielleicht ist es an der Zeit, nicht nur über Winterdienst zu sprechen, sondern grundsätzlich über die verkehrliche Anbindung von Westerhüsen – bevor aus Frust dauerhaftes Gefühl des Abgehängt Seins wird.
Mit freundlichen Grüßen
Nicole Suchy











































































































