Nicht zu Heiligen erklären
Leserbrief im Schwäbischen Tagblatt Tübingen am 15.01.2026
Folge II der Reihe „Annexion“ beschäftigte sich mit historischem US- Imperialismus und aktueller Verseuchung des Denkens durch autokratische Fake - Erzählungen.
Die ganze Misere der Weltgeschichte liegt darin begründet, dass viele ihrer prägenden Herrscher, Diktatoren, Ideologen und Religionsstifter nicht groß genug waren, um freiwillig akzeptiert zu werden. Sie wirkten nicht befreiend, sondern bedrückend. Man musste sie ertragen, weil sie und ihre Anhänger alle Mittel einsetzten, um absolute Macht zu erlangen. Zugleich haben viele dies zugelassen, weil große Teile der Masse ein starkes Bedürfnis verspüren, einem Führer zu folgen.
Jede Diktatur teilt das Volk in Anhänger und Verfolgte. Wer verfolgt hat, klammert sich an die Macht, aus Angst, im Zustand der Machtlosigkeit selbst der Rache der Unterdrückten ausgesetzt zu sein.
Ein Staat ist jedoch nicht dazu da, seine Bürger zu terrorisieren, sondern ihre Freiheit und ihre Rechte zu garantieren. Dazu taugen weder Führerstaat noch Gottesstaat noch Monarchie, sondern einzig die freiheitliche Demokratie mit Gewaltenteilung und wirksamer Machtkontrolle.
Was zu tun wäre: Wir sollten Leute, die geistige oder echte Verfolger waren, kritisieren und nicht zu Heiligen erklären oder auf Sockel stellen. Das ist leider ein ganz großer Fehler der Geschichtsschreibung, denn Geehrte werden Nachahmer finden.
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Roland Fakler












































































































