Schwäbisches Tagblatt vom 24.02.2024
"Der neue Lucas-Preisträger David Nirenberg erforscht das Verhältnis der
Religionen"
"Warum bekämpfen sich Religionen?"
Religionen haben einen absoluten Wahrheitsanspruch. Aus diesem absoluten Wahrheitsanspruch wurde ein absoluter Herrschaftsanspruch abgeleitet.
Weil es nur eine wahre Religion geben kann, müssen die anderen im Namen des richtigen Gottes, der für Gläubige immer der eigene ist, bekämpft werden. Das bringt Anerkennung von den Glaubensbrüdern und Punkte im Jenseits, siehe Moses, Elias, Mohammed...
Toleranz mit Falsch- und Ungläubigen wird von Gott bestraft. Im Alten Testament wird an etwa 300 Stellen gegen die Gottlosen gehetzt, im Koran an etwa 200, im Neuen Testament sind es noch etwa 10 Stellen.
Dabei gelten als Gottlose immer auch Menschen, die andere Götter verehren. Z.B. galten die Christen bei den Römern auch als Gottlose.
Religionen werden als Herrschaftsinstrumente benutzt z. B. Iran, Abendland, Russland... Herrscher waren immer daran interessiert,
in ihrem Reich eine Einheit des Glaubens zu erzwingen und sich selbst an die Spitze dieses Glaubens zu stellen.
Andersgläubige wurden verfolgt oder ausgerottet (Juden, Heiden, Ketzer). Nur durch die Trennung von Religion und Staat kann diese unheilige Allianz aufgelöst werden. Nur durch Kritik und Machtverlust ist das Christentum humaner geworden.
Roland Fakler
Zitat: "Nur durch Kritik und Machtverlust ist das Christentum humaner geworden".
Stimmt das?
Das Ur-Christentum der Anfangszeit jedenfalls war wohl "humaner" als das,
was wir derzeit erleben. Denn das lebte noch die Botschaft Jesu: "Lieber Opfer als Täter!"
Heute werden Christen dadurch verunsichert, dass ihnen von "Schriftgelehrten" eingeredet wird, auch "Opfer" seien Täter, zB.wenn diese sich weigern, sich (oder andere) mit Waffen zu verteidigen bzw. Waffen zur Verteidigung zu liefern. Ist das Christentum damit humaner geworden - trotz Kritik + Machtverlust?