Liebe Freunde und Bekannte
5. Fastensonntag 2026
Auferweckung des Lazarus

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes, Kap. 11, 1-45
In jener Zeit war ein Mann krank, Lazarus aus Betanien, dem Dorf der Maria und ihrer Schwester Marta. Maria war jene, die den Herrn mit Öl gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren abgetrocknet hatte; deren Bruder Lazarus war krank. Daher sandten die Schwestern Jesus die Nachricht: Herr, sieh: Der, den du liebst, er ist krank. Als Jesus das hörte, sagte er: Diese Krankheit führt nicht zum Tod, sondern dient der Verherrlichung Gottes. Durch sie soll der Sohn Gottes verherrlicht werden. Jesus liebte aber Marta, ihre Schwester und Lazarus. Als er hörte, dass Lazarus krank war, blieb er noch zwei Tage an dem Ort, wo er sich aufhielt. Danach sagte er zu den Jüngern: Lasst uns wieder nach Judäa gehen. Die Jünger sagten zu ihm: Rabbi, eben noch suchten dich die Juden zu steinigen und du gehst wieder dorthin? Jesus antwortete: Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn jemand am Tag umhergeht, stößt er nicht an, weil er das Licht dieser Welt sieht; wenn aber jemand in der Nacht umhergeht, stößt er an, weil das Licht nicht in ihm ist. So sprach er. Dann sagte er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber ich gehe hin, um ihn aufzuwecken. Da sagten die Jünger zu ihm: Herr, wenn er schläft, dann wird er gesund werden. Jesus hatte aber von seinem Tod gesprochen, während sie meinten, er spreche von dem gewöhnlichen Schlaf. Darauf sagte ihnen Jesus unverhüllt: Lazarus ist gestorben. Und ich freue mich für euch, dass ich nicht dort war; denn ich will, dass ihr glaubt. Doch wir wollen zu ihm gehen. Da sagte Thomas, genannt Didymus, zu den anderen Jüngern: Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben! Als Jesus ankam, fand er Lazarus schon vier Tage im Grab liegen. Betanien war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien entfernt. Viele Juden waren zu Marta und Maria gekommen, um sie wegen ihres Bruders zu trösten. Als Marta hörte, dass Jesus komme, ging sie ihm entgegen, Maria aber blieb im Haus sitzen. Marta sagte zu Jesus: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Jesus sagte zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. Marta sagte zu ihm: Ich weiß, dass er auferstehen wird bei der Auferstehung am Jüngsten Tag. Jesus sagte zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird auf ewig nicht sterben. Glaubst du das? Marta sagte zu ihm: Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll. Nach diesen Worten ging sie weg, rief heimlich ihre Schwester Maria und sagte zu ihr: Der Meister ist da und lässt dich rufen. Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und ging zu ihm. Denn Jesus war noch nicht in das Dorf gekommen; er war noch dort, wo ihn Marta getroffen hatte. Die Juden, die bei Maria im Haus waren und sie trösteten, sahen, dass sie plötzlich aufstand und hinausging. Da folgten sie ihr, weil sie meinten, sie gehe zum Grab, um dort zu weinen. Als Maria dorthin kam, wo Jesus war, und ihn sah, fiel sie ihm zu Füßen und sagte zu ihm: Herr, wärst du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben. Als Jesus sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, war er im Innersten erregt und erschüttert. Er sagte: Wo habt ihr ihn bestattet? Sie sagten zu ihm: Herr, komm und sieh! Da weinte Jesus. Die Juden sagten: Seht, wie lieb er ihn hatte! Einige aber sagten: Wenn er dem Blinden die Augen geöffnet hat, hätte er dann nicht auch verhindern können, dass dieser hier starb? Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. Jesus sagte: Nehmt den Stein weg! Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte zu ihm: Herr, er riecht aber schon, denn es ist bereits der vierte Tag. Jesus sagte zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen? Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. Nachdem er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! Da kam der Verstorbene heraus; seine Füße und Hände waren mit Binden umwickelt und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch verhüllt. Jesus sagte zu ihnen: Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen! Viele der Juden, die zu Maria gekommen waren und gesehen hatten, was Jesus getan hatte, kamen zum Glauben an ihn.
Predigt
Darf man als erstes zu diesem Evangelium sagen: Es ist verwirrend? Ja – es ist verwirrend. Man weiß nicht so recht, wo man mit der Erklärung anfangen soll. War Lazarus tot oder hat er nur geschlafen? Warum ist Jesus nicht gleich nach Betanien gegangen? Warum erzählt der Evangelist so ausführlich? Warum gibt es so viele Details, die in anderen Wundererzählungen nicht vorkommen. Warum gibt es so ein Hin und Her? Viel ausführlicher als über alle anderen Wunder. Die Grundfrage: Was sollen wir aus dieser Wundererzählung lernen?
Die erste Antwort lautet wohl: An dieser Erzählung zeigt sich einmal mehr: Die biblischen Texte sind nicht primär historische Berichte von Ereignissen, sondern sie enthalten Botschaften. Die Bibel, vor allem das Neue Testament ist eine Botschaft über Jesus Christus. Das neue Testament will an Ereignisse im Leben Jesu erinnern und dadurch zum Glauben führen. Die Evangelisten interpretieren Jahrzehnte nach Jesu Tod Ereignisse aus seinem Leben, um Gemeinden, die sich an Jesus orientieren wollen, zum Glauben an ihn zu führen.
Die entscheidende Botschaft dieses Evangeliums an die Gemeinde und an uns lautet: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird ewig leben.
Wir können aber dann weiterfragen: Was heißt das nun eigentlich: An Jesus glauben? Und was bedeutet es, dass Jesus sich selbst die Auferstehung und das Leben nennt?
Für mich ist dies folgende Formulierung besonders hilfreich: Glauben heißt: Sein Leben an Jesus festmachen. Es bedeutet nicht einfach: Glauben, dass Jesus jetzt existiert, dass es ihn gibt. Sondern Glauben heißt: Sich in ihm verankern. Sein Leben auf ihn aufbauen. So wie wir uns auch an Menschen verankern können, können und dürfen wir uns an Jesus Christus verankern. Ein Vergleich: Eine Ehe einzugehen, bedeutet ja auch: Sich im anderen verankern. An ihn glauben. Das hat dann zur Folge: Wenn der Andere stirbt oder wegbricht, dass dann die Verankerung wegbricht, dass man meint zusammenzubrechen. Es kommt aber noch eines dazu, was in einem schönen Wort der Geheimen Offenbarung des Johannes steht. Dort heißt es: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn einer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und Mahl mit ihm halten und er mit mir.“ (Hohes Lied 5,2). Jesus steht vor der Grabestür und ruft Lazarus mit seiner Stimme heraus. Es ist Jesus, der Lazarus aus dem Grab herausruft, der ruft vor der Türe unseres Herzens, dass wir ihm aufmachen und ihn hereinlassen. Lazarus kommt heraus aus dem Grab, wo er allein ist. Wir sind, wenn wir in uns stecken bleiben, wie in einem Grab. Wir brauchen einen, der uns aus dem Grab herausruft. Und in dem Text der Geheimen Offenbarung sind wir gleichsam noch im Grab und sollen im Grab die Stimme Jesu hören, der uns zuruft: Ich stehe vor der Türe, komm doch heraus. Freilich muss der Stein vor dem Grab noch weg gewälzt werden. Und dazu helfen, die Anderen, die ihr Leben auch an Christus festgemacht haben. Die anderen Christen helfen, den Stein vor dem Grab unserer Seele weg zu wälzen. Sie helfen auch, die Stimme Jesu zu hören, denn sie können uns die Ohren öffnen. Liebende öffnen einander die Ohren, um den Ruf des Herrn zu hören. Christsein heißt die Stimme Jesu hören. Und wenn wir sie nicht hören, dann ganz still sein, schweigen, um sie dann im Schweigen doch zu hören. Schweigen ist entscheidend. Und wir sollen Anderen helfen, die Stimme des Herrn zu hören, den Stein vom Grab ihrer Seele wegzuwälzen. Der Teufel heute ist der Lärm und das viele rundherum. Wir müssen tausend Steine wegwälzen und das Schweigen lernen. Dann werden wir die Stimme Jesu hören und können unser Herz, unser Leben an Christus festmachen, an Christus verankern. Amen
Lesung aus dem Propheten Ezechiel, Kap. 37, 12-14
Deshalb tritt als Prophet auf und sag zu ihnen: So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zum Ackerboden Israels. Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich eure Gräber öffne und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole. Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig und ich versetze euch wieder auf euren Ackerboden. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin. Ich habe gesprochen und ich führe es aus - Spruch des HERRN.
Fürbitten
Herr Jesus Christus, wir bitten dich um Frieden für den Nahen Osten. Schenke den politisch Verantwortlichen Deinen heiligen Geist, damit sie ihre Verantwortung und auch ihre Schuld erkennen und in ihrem Denken umkehren.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich um Hilfe für die Menschen, die in der ganzen Welt hungern, vor allem die Menschen im Sudan und Südsudan. Christus höre uns.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich für alle Wissenschaftler, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen. Lass sie ihre Verantwortung und ihre Grenzen erkennen. Christus höre uns.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich für die Eltern von kleinen Kindern und Jugendlichen, gib ihnen den Mut und die Kraft, ihre Kinder vor den sozialen Medien zu schützen. Christus höre uns.
Eberhard von Gemmingen |
Falls Sie noch ein Geschenk suchen, so käme vielleicht so etwas in Frage. Bitte aber nicht bei mir bestellen, sondern im Buchhandel.
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