Liebe Freunde und Bekannte 25. Sonntag im Jahreskreis Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?
Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus, Kap. 20, 1-6 In jener Zeit erzählte Jesus seinen Jüngern das folgende Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten! Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar. Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin? So werden die Letzten Erste sein. Predigt Stellen wir uns bitte die Szene einmal anders vor als Jesus sie erzählt: Stellen wir uns vor: Der erste der angeheuerten Arbeiter beobachtet den Gutsbesitzer bei der Auszahlung der Stundenlöhne von Anfang an. Am Ende sagt er dem Gutsbesitzer: „Wunderbar! Sie haben allen den gleichen Lohn gezahlt, ob sie nun den ganzen Tag gearbeitet haben oder nur ein paar Stunden.“ Und der Stundenlöhner fügt noch an: „Ich finde Sie großartig. Sie sind ein großmütiger, ein großzügiger Mensch. So möchte ich auch einmal sein.“ Hinter den Worten dieses zuerst Angeheuerten steht ein total anderes Denken als das Denken dessen Mannes, von dem Jesus spricht. Es geht ihm nicht um seinen Lohn, sondern er beobachtet den großzügigen Gutsbesitzer. Dieser Gutsbesitzer imponiert ihm. Er denkt: „Endlich mal ein Mensch, ein Unternehmer, der nicht nur rechnet, sondern großzügig gibt, weil er es kann. Das ist imposant!“ Dies ist es eigentlich, worum es Jesus wohl in seinem ganzen öffentlichen Leben geht. Er scheint zu sagen: Denkt doch nicht immer nur wie üblich an euch selbst. Nennt euren Egoismus nicht Gerechtigkeit, sondern schaut über euren Tellerrand hinaus und beginnt ein neues Denken. Jesus geht es in seinem ganzen Leben darum, ein neues Denken einzuführen. „Kehrt um, bekehrt euch“ sind seine grundlegenden Worte. Schöner finde ich, zu sagen: „Denkt um, beginnt ein neues Denken.“ Und ich erlaube mir, einen zeitkritischen Gedanken auszuführen: Seit Karl Marx und dem Marxismus werden Unternehmer oft als Kapitalisten bezeichnet. Es gehe ihnen nur ums Geld, um das Vermögen, um Reichtum. Sie seien Ausbeuter. Sicher gab und gibt es seit Jahren und zu allen Zeiten ausbeuterische Unternehmer. Aber grundsätzlich braucht die Menschheit Unternehmer. Die Menschheit braucht Menschen, die Initiativen ergreifen und etwas anpacken, die das Wagnis eingehen, Geld anzulegen, um ein Unternehmen aufzubauen. Jeder Unternehmer geht ein Wagnis ein. Es kann auch schief gehen, er kann Geld verlieren. Er kann auch sein Ansehen verlieren, vielleicht nicht nur in der breiten Öffentlichkeit, sondern auch bei seiner Frau, seinen Kindern. Aber wehe einer Gesellschaft, in denen niemand mehr das Wagnis eingeht, etwas Neues anzufangen! Der Mensch ist nicht geschaffen, Angestellter zu sein, sondern er ist geschaffen, die Welt zu gestalten und eben etwas anzupacken. Das braucht Mut, Wagemut, Unternehmungsgeist. Und im Grunde genommen fing es so schon mit der Erschaffung des Menschen an. Als der Mensch auf Gottes Geheiß begann, den Acker zu bebauen, war er ein Unternehmer. Er war kein Angestellter. Doch zurück zu den Tagelöhnern und dem Grundbesitzer, von denen Jesus spricht. Jesus kritisiert ein Gerechtigkeitsdenken, das nur von dem Habenwollen ausgeht. Jesus sagt am Ende dieses Gleichnisses das etwas seltsame Wort: „Ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Wir können uns fragen: Fordere ich manchmal Gerechtigkeit, weil ich selbst das „Gutsein“ des Anderen nicht ertrage und mich aufgefordert sehe, selbst großzügig zu werden? Fordert jemand Gerechtigkeit von einem anderen, weil er sieht, dass er selbst nicht gerecht? Ist die Großzügigkeit des Anderen ärgerlich, weil sie ein Aufruf ist, selbst auch großzügig zu werden? Gerechtigkeit muss zwar sein, aber Gerechtigkeit bedeutet vor allem, dass wir sichtbare Ungerechtigkeit bekämpfen müssen. Gerechtigkeit bedeutet nicht, dass alle gleich viel haben oder sein müssen. Gerechtigkeit ist keine Gleichmacherei. Da die materiellen Güter der Welt nicht auf alle Menschen in gleicher Weise verteilt sind, muss die Gesellschaft dafür sorgen, dass der weniger Begüterte nicht verhungert. Gerechtigkeit muss Elend überwinden, aber nicht gleich machen. Der Gutsbesitzer darf mehr geben, wenn er den Eindruck hat, dass der Tagelöhner sich darüber freut. Er muss nicht gleichmachen. Das Gleichmachen wird immer wieder schief gehen. Letztlich kommt es immer wieder auf das Herz an, auf den freundlichen Blick auf den Nächsten. Wehe mir, wenn ich nur an mich denke und nicht an die Wünsche und Freuden des Anderen. Amen Lesung aus dem Propheten Jesaia, Kap. 55, 6 - 9 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah! Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des HERRN. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. Wir beten: Geworden bin ich durch Deine Liebe, mit der Du mich geschaffen hast. Gewachsen bin ich durch Deine Nähe und die Sorge, die Du mir vermittelst. Gerufen bin ich bei meinem Namen Den Du in Deine Hand geschrieben hast Gehalten bin ich von Deiner Treue Die Du mir durch all die Jahre bewahrt hast Geführt bin ich durch Deine Vorsehung, die mich durch alle Gefahren begleitet. Gesegnet bin ich durch Deine Gnade, die Du mir schenkst mein Leben lang.
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