Wenn man die Leserbriefe in der SZ intensiv durchliest, sich die Aussage des Münchner Polizeipräsidenten gestern im Fernsehen vor Augen führt, kann man fast zu der neuen Bezeichnung für unsere Polizei kommen, die da lauten würde: "Die Polizei, Dein Freund und Schläger!"
Es ist ferner erschreckend, dass laut Information etwa 90 Prozent aller Fälle mit Gewalttaten durch Polizisten, wohl gemerkt an unbewaffneten, gefesselten, oder am Boden liegenden Bürgern, seitens des Staatsanwaltes die Ermittlungsverfahren eingestellt werden.
Es kann beileibe nicht entschuldigt werden, dass eine zierliche, kleine und auf eine Pritsche genötigte Frau mit einer Körpergröße von etwa 1,6m von einem Brutalo der Polizei so zugerichtet wird. Das Allerschlimmste dabei ist, dass die lieben Polizeikollegen alle noch tatenlos zugesehen haben und nicht eingeschritten sind. Laut Bericht im Leserforum auf Seite R19 handelte es sich immerhin um sieben Polizisten gegen eine gefesselte Frau. Das ist wirklich eine reife Leistung mit der sich unsere Polizei schmücken darf.
Es kann die fadenscheinige Aussage des Polizeipräsidenten, wie auch des/der Polizisten im besagten Revier in der Münchner Au nicht hingenommen werden, die da "angebliche Notwehr" darstellt, der betroffenen Frau obendrein noch Drogenrausch oder sonst noch was unterschiebt. Dass dies alles sehr durchsichtige Rechtfertigungsgründe sind, merkt auch der Dümmste in unserem Lande.
Ich stelle mir unter Polizei etwas anderes vor als gewaltbereite Kerle. Ein Polizist, egal ob männlich oder weiblich hat zum Schutz von uns Bürgern da zu sein. Schließlich wird der gesamte Polizeiapparat auch von uns Bürgern bezahlt. Noch trauriger, dass der Staatsanwalt hier nicht besser durchgreift, der Staatsanwalt, der den Rechtsstaat vertreten sollte. Solche Vorkommnisse, wie sie bisher bekannt wurden, haben mit "Rechtsstaatlichkeit" nichts mehr zu tun.
Dies erinnert so verdammt an das Dritte Reich und deren Methoden! Sind wir noch eine Demokratie und ein Rechtsstaat? Diese Frage muss erlaubt sein. Im Übrigen kann ich alle Leserbriefe zu diesem und ähnlichen Fällen in der heutigen Ausgabe nur unterstreichen. Dies zeugt davon, dass das Empfinden von uns Bürgern keine einsame Meinung darstellt, sondern sich wirklich zwischenzeitlich so abgezeichnet und in das Gedächtnis eingebrannt hat.
Sicherlich darf man jetzt nicht alle in einen Topf werfen und die Polizisten in Bausch und Bogen verurteilen, das wäre zu einfach und auch falsch. Doch wie sagt die Polizei immer so schön: "auch wenn nur ein Verbrechen passiert, ist eines schon zu viel!" Dies trifft ebenso für die schwarzen Schafe in Uniform zu!
Alois Sepp