Die Liberalisierung durch die Vorgaben der EU hat inzwischen gewaltige Nachteile und schlimme Folgen für einzelne Handwerkssparten aufgezeigt. In der AZ wurde darüber geklagt, dass viele "Häuslebauer und Eigenheimbesitzer" über den gewaltigen Pfusch am Bauhandwerk zu klagen haben. Dies ist mit Sicherheit eine der Folgen der all zu freizügigen Liberalisierung innerhalb der EU. Übertrieben ausgedrückt heißt es, dass sich jeder Depp in vielen Berufsgruppen einen Betrieb eröffnen kann, wenn er es möchte. Ab der Freigabe am 1. Januar 2004 ist z.B. im Fliesenlegergewerbe keinerlei Meisterprüfung oder sonstiger Qualitätsnachweis zum Betrieb eines Handwerksbetriebes nötig. Die vergangenen 10 Jahre haben es ans Licht gebracht, dass durch Pfusch, Lohndumping und miese Betriebsführung das sprichwörtliche Handwerk immer mehr den Bach hinunter schwimmt. Die Folge von unseriösen Betrieben ist, dass selbst ordentlich arbeitende Handwerksfirmen ihre Mitarbeiter entlassen und den Betrieb zusperren müssen. Durch das Lohndumping kann sich ein ordentlicher Betrieb nicht mehr halten, Mitarbeiter können wegen ausbleibender Aufträge nicht mehr bezahlt werden.
Durch dieses unseriöse Treiben, speziell am Bau, wird die Illegalität besonders gefördert. Kein Wunder also, dass es immer mehr Klagen bei Neu- und Umbauten zu verzeichnen gibt. Will der Bauherr die Mängel reklamieren, ist es oft sehr schwer, weil diese Betriebe wieder schneller schließen als das Eröffnen funktioniert. Die Kunden bleiben auf den Schäden und den Kosten sitzen. Es wird also allerhöchste Zeit, dass hier ein Umdenkungsprozess einsetzt und die Meisterprüfung für eine Betriebsführung wieder Grundlage ist.

Alois Sepp

Teilen, Hinweis der Redaktion, Kommentieren und Bewerten in den sozialen Netzwerken und in der Bürgerredaktion:

Keine Kommentare